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07.08.2014 08:01

Taufe fürs richtige Gymnasium

Als ich in Schweden im Urlaub war, erhielt ich plötzlich eine sonderbare Whatsapp-Nachricht von Freunden: Sie hätten am Samstag vergessen mich zu fragen. Ob ich nicht Taufpate für ihre Kleine machen könnte.

Ich habe ihnen daraufhin sehr deutlich geschrieben, was ich von dieser Scheiße halte, dass ich nicht verstehe, warum man seinem Kind diese Entscheidung nicht selbst überlässt und dass ich es für religiösen Quatsch halte. Weil ich aber weiß, dass diese beiden nun wirklich nicht in der Gefahr stehen, fromm zu sein, habe ich angefügt, dass ich irgendwie verstehen kann, dass es ein gesellschaftliches Event ist. Und wenn sie mich gern haben wollen, würde ich es machen.

Ich bekam im Urlaub auf meine Mail wieder ein Whatsapp (warum diskutieren Leute schwierige Dinge über Whatsapp). Sie würden mich gut verstehen, hätten eine ähnliche Meinung, würden meine Vergangenheit ja kennen aber es gäbe Gründe. Wir könnten ja mal darüber sprechen, wenn ich wieder da bin.

Gestern war es also soweit. Spieleabend bei meinen Freunden. Irgendwann meinte einer, es wäre schön, dass ich für ihn eingesprungen bin. Es stellte sich heraus, dass er aus der Kirche ausgetreten war. "Na, dann habt ihr wohl ein Problem", hab ich gesagt. "Euch muss doch wohl klar sein, dass ich auch nicht mehr in der Kirche bin."

Nein, das war ihnen nicht klar. Also - Taufpate hat sich vermutlich erledigt. Ich hab auch darum gebeten, dass mich der Pfarrer nicht direkt anspricht, weil ich ihn sonst erstens in eine thelogische Diskussion verwickeln werde und ihm zweitens den Schwachsinn dieses völlig blutleeren Landeskirchenrituals verdeutlichen werden. Taufe von kleinen Kindern. Was für ein gruseliger Schwachsinn - zumindest für den allermeisten Teil der Bevölkerung, der nicht mal weiß, was das überhaupt für ein Ritual sein soll. Ich dachte lange Zeit noch, man erhält bei der Taufe offiziell seinen Namen. Das wird bei einem Großteil der Bevölkerung nicht anders sein.

Stinksauer wurde ich dann, als ich den Grund für diesen schwachsinnigen Kindertaufenwunsch erfuhr. Die Kleine ist jetzt zwei Jahre alt. Die Eltern denken bereits ans Gymnasium. Da scheint es in Mainz verschieden gute zu geben. Und ihr Wunschgymnasium ist christlich. Damit ein Kind dorthin kann, MUSS es auf einer christlichen Grundschule gewesen sein. Und um dorthin zu kommen, muss man - was wohl - getauft sein.

Wie Scheiße ist das eigentlich? Jetzt wird Bildung schon davon abhängig gemacht, ob man die richtige Religion hat. Sind wir völlig Balla-Balla?

Wenn es sich nun um eine Schule handeln würde, die auf einer glaubenstechnischen Basis steht, wie damals meine Bibelschule. Wo also wirklich "gläubige" Menschen sich zusammengefunden haben, dann hätte ich dafür noch ein gewisses Verständnis. Man könnte dort dann regelmäßig Andachten halten, Lobpreis machen und die ganzen Dinge, die Christen eben tun. Aber ein christliches Gynmasium für eine längst nicht mehr christliche Bevölkerung mit Taufschein. Was für ein Unsinn.

Es wird Zeit, dass darüber mal jemand nachdenkt.


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Bekky
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4 08.2014
Tisi