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05.10.2014 11:45

Wo bin ich hier?

Hallo, liebe Irrfahrer und Irrfahrerinnen,

erwartet ihr hier eine andere Seite? Keine Panik. Alles ist in Ordnung. Ihr habt keinen Virus. Es gab auch keine feindliche Übernahme. Bisher ging es hier um den bibeltreuen christlichen Glauben. Daran hat sich nichts geändert. Dieses Projekt öffnet sich lediglich allen Leuten, die mit Religionen, Sekten oder sonstigem Übersinnlichen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und um dies tun zu können, war es nötig, den Namen zu ändern. Bestimmt ging über die Jahre hinweg nicht nur mir auf, dass Irrfahrer aller übersinnlichen Glaubensrichtungen doch irgendwie die gleichen Probleme haben.

Worum geht es hier?

Es ist eine sehr unschöne Situation, wenn das eigene Weltbild sich irgendwann in Luft auflöst. Dies geschah bei mir im Jahr 1998. Acht Jahre lang führte ich ein Leben als so genannter wiedergeborener Christ. So nennen sich die konservativen Christen - diejenigen, die die Bibel als Gottes unfehlbares Wort betrachten und ihr Leben danach ausrichten. Zwei Jahre lang war ich auf einer Bibelschule, weil ich sogar Pastor werden wollte. Doch dann geschah es:

Die blaue oder die rote Pille?

Je tiefer ich in die Bibel einstieg, desto mehr kam ich ins Grübeln. Sind wir ehrlich: Die Bibel ist ein dickes Buch. Die meisten Christen kennen ein paar Stellen. Aber um Zusammenhänge zu verstehen ist weit mehr nötig. Geschichte, damalige Sprachkultur und Nebenbedeutungen von Worten oder auch Sprachgeschichte können manchmal einen bekannten Abschnitt in völlig neuem Licht erscheinen lassen. Zum Beispiel das Wort "toll". Es ist noch gar nicht lange her, da gab es ein Tollhaus und toll bedeutete psychisch krank. Wenn ich in 2000 Jahren einen Text von heute verstehen möchte, kann es schnell passieren, dass ich aus einem Text das komplette Gegenteil herauslese.

Meine Bibelschulzeit war für mich ein Traum. Leider ein Traum mit bösem Erwachen, denn was mich eigentlich näher zur Bibel und zu Gott führen sollte, lenkte mich später in Richtung Ausstieg. Viele ehemalige Christen verließen ihre Gemeinde und ihren Glauben wegen persönlicher Frustration oder Ärger mit anderen Gemeindemitgliedern. Nicht so bei mir. Je länger ich mir die Bibel ansah, desto mehr bekam ich Zweifel, ob dieses Buch wirklich den Anspruch erheben kann, unfehlbar zu sein. So musste ich irgendwann eine Entscheidung treffen, wie Neo bei Matrix: Schlucke ich die rote oder die blaue Pille.

Ich entschied mich für die rote und lebe heute ein Leben, das ich als Leben in Wahrheit bezeichnen würde. Ohne Gott, ohne Bibel, ohne Gemeinde. Manchmal würde ich mir wünschen, dass es diese andere Welt gäbe, diese christliche Welt mit dem Gott, den ich so viele Jahre geliebt und verehrt habe. Aber es gibt sie nicht und daraus habe ich für mich die Konsequenzen gezogen.

Das war meine Geschichte in wenigen Sätzen. Wer ebenfalls zu den bibeltreuen Christen gehört oder gehört hat, wird hier viele Erfahrungen und Schlussfolgerungen von mir lesen können. Mit der Umbenennung dieser Seite in Irrfahrer.de heiße ich aber auch alle Zweifler anderer Glaubensrichtungen willkommen. Ich bin heute fest davon überzeugt: Wir alle, die wir uns auf irgendwelche wunderlichen, übersinnlichen Dinge eingelassen haben, mögen unseren jeweiligen Glauben unterschiedlich gelebt haben. Aber im Grund unseres Herzens haben wir doch das gleiche dabei gefühlt. Und wir sind sicher alle in der Lage, ein wenig zu abstrahieren und unsere gegenseitigen Denkfehler zu erkennen. Vielleicht sogar noch besser bei anderen Glaubensrichtungen, als unserer eigenen.

Das Problem beim Ausstieg aus einer Glaubensrichtung

Für mich war der Ausstieg eine sehr schwierige Sache. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und ich musste mir meine Schlussfolgerungen noch aus Büchern zusammensuchen. Es gibt aber wenig vernünftige Literatur für Aussteiger:

Was nützt einem ein Buch eines Gläubigen, in dem man mit frommen Floskeln zugeworfen wird. Ebenso wenig hilfreich sind Bücher von Leuten, die niemals gläubig waren und einfach "dagegen" sind. Sie wühlen vieles auf, das ihnen noch nie etwas bedeutet hat, und haben meistens auch ein anderes Glaubensverständnis. Sie erleben den Glauben mehr als Objekt wissenschaftlicher Forschung, während wir Aussteiger mit einer als Realität empfundenen Größe umzugehen versuchen.

Kurz: Ich musste damals für mich allein klären, was richtig und was falsch ist. In einer solchen Phase ist man furchtbar einsam, fühlt sich völlig unnormal und gehört im übertragenen Sinn weder zur hellen noch zur dunklen Seite der Macht. Egal, mit wem man sich unterhält, keiner versteht einen. Keiner, bis auf uns.

Hier bist du willkommen. Du darfst laut denken, du darfst totalen Blödsinn glauben und du darfst dabei anonym bleiben. Du wirst feststellen, dass du nicht alleine bist. Du wirst auch feststellen, dass Zweifeln etwas gesundes ist. Und du wirst hier Leute finden, mit denen du über deine Gefühle reden kannst.

Mitarbeiten?

Die von mir zusammengetragenen Informationen hier drehen sich logischerweise um meinen ehemaligen Glauben. Solltest du aus einer anderen Ecke kommen und diese Seite hier mit deinen eigenen Erfahrungen und deinem Wissen bereichern wollen: Dir steht zum einen das Forum zur Verfügung. Jedes angemeldete Mitglied erhält außerdem ein Mitglieder-Blog, wo du deine Erfahrungen im Zeitablauf dokumentieren kannst, falls du das möchtest.

Solltest du über umfangreiches Kenntnisse verfügen und diese Seite hier um dein Wissen erweitern wollen, dann können wir auch darüber sprechen. Ich veröffentliche gern Blogbeiträge, wenn sie einen gewissen Qualitätsstandard erfüllen und für andere hilfreich sein können.

Viel Erfolg

Ich wünsche jedem Besucher viel Erfolg bei seinem persönlichen Slalom zwischen Wahrheit, Zweifeln und Irrlichtern.
tom
Ich war von 1990 - 1998 bibeltreuer Christ und veröffentliche hier die Fakten, die zu meinem Austritt führten.