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18.05.2013 11:13

Gemeindenetzwerk.org und die Autorität der Schrift in der Schrift

Nach zwei sehr motivierenden Tagen auf einem Social-Media-Seminar wollte ich mich eigentlich dieses Wochenende anderen Projekten von mir zuwenden. Positiven Projekten, weil ich persönlich glaube, dass es zum Sinn des Lebens gehört, für etwas zu sein. Leute, die nur gegen etwas sind, haben auf Dauer ein Problem.

Während ich mich dann so der manchmal von mir zelebrierten Samstag-Morgen-Dümpelei hingab, in der ich schön Frühstücke und versuche mental und körperlich wach genug zu werden, um etwas Sport zu treiben, machte ich den entscheidenden Fehler: Ich sah in meine Google-Analytics-Auswerung. Ein Verweis sprang mir ins Auge von der Seite gemeindenetzwerk.org. Sowas geschieht, wenn Leute über meine Webseite diskutieren.

Was soll ich sagen. Den Link fand ich nicht. Dafür aber einen Artikel mit dem Thema "Die Autorität der Schrift in der Schrift". Ein Mann mit Kravatte namens Johann Hesse strahlt mich an. Ich überfliege den Artikel oberflächlich. Mein Hirn verkrampft sich. Ich denke mir: Scheiße, Sport muss warten.

Alle folgenden Zitate stammen vom Artikel vom 16.5.2013 der folgenden Seite: www.gemeindenetzwerk.org/?p=9473

Ich übernehme die Gliederung des Orginalartikels.

1 Die Infragestellung der Autorität der Schrift
Die Autorität der Heiligen Schrift wird heute massiv in Frage gestellt. (…) Reden aber nur Menschen Worte und Bilder von und über Gott, so kann die Schrift jederzeit gesellschaftlichen Trends und Meinungen angepasst werden.
Aha. Und heute wird die Schrift keinen gesellschaftlichen Trends und Meinungen angepasst? Wann hat denn der Autor zum letzen Mal einen Dämonen ausgetrieben, oder - ich mach es leichter - wenigstens einen gesehen?
Neu ist das Phänomen selbstverständlich nicht. Schon Satan fragte hinterlistig: „Ja, sollte Gott gesagt haben…?“ (1 Mose 3,1). Auf dieser Linie haben Menschen immer wieder die Autorität des Wortes Gottes hinterfragt und Instanzen neben und über die Heilige Schrift gestellt.
Auch klar: Gleich am Anfang, bevor irgendein Argument kommt, wird schon Satan zitiert. Satan steht aber nicht am Anfang der Frage nach der BIbel. Am Anfang steht erst einmal die Frage: "Warum soll ich diesem Buch überhaupt vertrauen". Diese Frage stellen wir uns ja auch beim Koran, bevor wir ihn ernst nehmen würden.

Aber es ist klar, worauf er hinauswill, bzw. -muss:

Die Folge ist, dass der Ausleger selbst und aufgrund von Wahrscheinlichkeitsurteilen entscheidet, wo dem biblischen Text Autorität zugestanden werden kann und wo nicht.
Es ist eben dieses Dilemma: Entweder ALLES ist wahr, oder ich kann mich auf NICHTS mehr verlassen. Das ist ein Problem des bibeltreuen Glaubensverständnisses. Ich möchte hier klarstellen, dass ich das verstehe und hier mit ihm einer Ansicht bin. Uns beide unterscheidet nur, dass wir beide den bibeltreuen Glaubensgrundsatz für den sinnvollsten halten, nur er am bibeltreuen Glauben festhalten will, während ich ihn dorthin gelegt habe, wo ich auch andere religiöse Bücher hingetan habe: Ins Reich der Träume.

Aber nun gehts weiter. Er macht nun etwas ganz tolles. Das kenne ich schon von Dr. Kaiser:

2 Die Begründung der Autorität der Schrift
2.1 Die Selbstaussage der Schrift

Die Autorität der Schrift muss allein aus ihrem Selbstzeugnis erschlossen werden. So schreibt z. B. Johannes Calvin: „Deshalb wird durchweg die höchste Beglaubigung der Schrift darin gesehen, dass hier Gott in Person redet.“[4] Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass Gott ihr Autor ist und in ihr redet. (Johannes Calvin, Institutio, I,7,4)

Höchste Beglaubigung wird in der Schrift darin gesehen, dass Gott in Person redet. Worin nochmal unterscheidet das die Bibel vom Koran? Das ist doch Geschwätz, was hier geschrieben wird. Wenn sowas ein mittelalterlicher Theloge im 16. Jahrhundert schreibt, ist das ja evtl. noch irgendwie verständlich. Aber von einem Gläubigen des 3. Jahrtauends, der einen Computer bedienen und sogar eine Kravatte binden kann … sorry.

Nun wird Paulus zitiert und die Apostel und bla und dass die Schrift immer schon als das Reden Gottes angesehen wurde.

Schnell noch ein Zitat von ihm mit vielen Bibelstellen:

In der Bibel gilt deshalb auch der Grundsatz, was die Schrift sagt, sagt Gott und was Gott sagt, sagt auch die Schrift (vgl. 1 Mose 12,1-3 mit Gal 3,8; Röm 9,17 mit 2 Mose 9,16; Mt 15,3-4 mit 2 Mose 20,12; Apg 4,25 mit Psalm 2 und 2 Sam 23,1-3; Hebr 3,7 und Psalm 95,7.8 u. v. m.).
Mir fällt darauf ein: Jungfrau/Immanuel, Kindermord, Ägypten und Nazoräer. Was haben diese Begrifft gemeinsam? Richtig. Sie kommen alle aus meinem Abschnitt über Matthäus-Prophezeiungen:
www.jesus-offline.de/die-matthaeus-prophezeiungen-sind-frag​wuerdig.19.html

Das, was Matthäus hier als Gottes Wort auslegt, ist so wirklichkeitsfremd, dass es jedem Theologen, der sich auskennt, den Magen herumdrehen muss. Zumindest war es bei mir so. Wenn ich nun die Autorität der BIbel mit der Bibel selbst begründen will, dann muss ich doch anerkennen, dass die Bibel in sich selbst derartig fragwürdige Auslegungsmethoden an den Tag legt, dass mir gerade irgendwie die Worte fehlen.

Da hlft mir das hier nicht wirklich weiter:

Gott ist somit der Urheber der Schriften des Alten und des Neuen Testaments. Aus der Urheberschaft (lat. auctor) folgt auch die Autorität (lat. auctoritas) der Schrift. Diese Urheberschaft wird auch dadurch nicht geschmälert, dass Gott ganz verschiedene Menschen gebrauchte, um sein Wort niederzuschreiben.
Aber es geht unserem Autor weniger um die Diskussion mit mir. Es geht ihm mehr um diese Sache hier:
Wenn die ganze Heilige Schrift in Ganzheit und als Einheit Gottes Wort an uns ist, dann steht dem Menschen kein Instrumentarium zur Verfügung, mit dem er ein vermeintliches Wort Gottes aus der Bibel herausschälen kann.
Wir haben es also mit einem Kämpfer innerhalb des Christentums zu tun. Da verstehe ich ihn wieder ein wenig. Sein Artikel richtet sich gegen die, die nur Teile der Bibel als wahr ansehen wollen. Klar, geht sowas nicht. Genau deswegen sind ja auch die Kirchen leer, weil die meisten Menschen sich diese Art an blutleeren Gottesdiensten ersparen. Trotzdem nehme ich weiter aus meiner Perspektive zum christlichen Glauben aus Stellen, denn nun kommt eine interessante Überschrift und ich kann mich kaum halten, vor Neugier, was darunter wohl aufgeführt wird.
2.2 Die Untermauerung der Autorität durch Schrifterfüllung
Die Autorität der Heiligen Schrift muss anhand ihres Selbstzeugnisses festgestellt werden. Untermauert wird diese Autorität durch die Erfüllung biblischer Prophetien.
Er hats tatsächlich getan: Er hat Jehova gesagt.
Und ich habe schon oben mein Pulver mit dem Link zu meinen Ausführungen zu den Matthäus-Prophezeiungen verschossen. Wie ärgerlich.
Die Glaubwürdigkeit alttestamentlicher Propheten sollte anhand der Erfüllung ihrer Weissagungen überprüft werden (5 Mose 18,21.22; Jes 41,21-23). (…)
Gott allein ist es, der aus der Ewigkeit heraus in den Geschichtsverlauf hinein ankündigt und je nach Prophetie nach Stunden (Mt 6,34), Tagen (Mt 20,18.19), Jahren (Apg 1,29), Jahrzehnten (Mt 24,2), Jahrhunderten (Jes 53,1ff) oder sogar Jahrtausenden (1 Mose 49,10) erfüllend in denselben eingreift (vgl. z. B. Jes 7,14 mit Mt 1,22; Micha 5,1 mit Mt 2,5; Sach 9,9 mit Joh 12,14; Sach 12,10 mit Joh 19,37; Ps 16,8-11 mit Apg 2,25ff; Joel 3,1-5 mit Apg 2,1ff). Dieses überzeitliche Offenbarungshandeln Gottes untermauert die göttliche Autorität der Heiligen Schrift.
Also wenn er eben Jehova gesagt hat, dann war das jetzt die Steigerung. Hier sind sie nämlich alle meine Freunde versammelt:
  • Jesaja 7,14: Jungfrau und Immanuel
  • Micha 5,1: Jesus kommt aus Bethlehem
Er zitiert uns hier tatsächlich Matthäus-Prophezeiungen. Wenn er die zwei kennt, kennt er auch die anderen. Das sind Prophezeiungen, die absolut nicht funktionieren, wenn man sie mal auseinandernimmt.

Aber darauf kommt es ihm eh nicht so an, weil ja alles sowieso nur auf eins hinaus läuft:

Das zentrale Thema biblischer Prophetie und der Erfüllung der Schrift ist die Person Jesus Christus, „denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja“ (2 Kor 1,20).
Genau. Und das haben ja auch alle Menschen jüdischen Glaubens sofort und gerne übernommen, weil dieser Schluss ja so nahe liegt. Niemand hat auf diese Art von Jesus gewartet. Die Juden warten bis heute auf einen König und Kriegsherrn. Wie komme ich da nun auf das schmale Brett, so zu tun, als ob das ganze AT nichts anderes tut, als auf Jesus hinzuweisen. Das ist christliches Wunschdenken, sonst nichts.
Und weil die Schrift sein eigenes Wort ist, das sein Kommen vorhersagte und das Eintreffen der Vorhersagen bezeugt, erhält sie auch durch ihn, den gekreuzigten, auferstandenen und wiederkehrenden Herrn, ihre Autorität.
Aber nur, wenn wir die Dinge ausblenden, die dieser Sichtweise widersprechen und die in großer Zahl gibt.
2.3 Die Autorität der Schrift und die Notwendigkeit des Glaubens
Die Autorität der Bibel wird zwar in der Bibel bezeugt und auch durch die Erfüllung biblischer Prophetien untermauert, sie lässt sich in letzter Konsequenz jedoch nicht beweisen.
Der einzige Teilsatz, mit dem ich hier einverstanden bin, steht am Schluss dieses Zitats. Ist aber kein Wunder. Er zitiert wieder unseren Mittelalter-Calvin:
Calvin schreibt zu Recht: „Das Zeugnis des Heiligen Geistes ist besser als alle Beweise. … Denn derselbe Geist, der durch den Mund der Propheten gesprochen hat, der muss in unser Herz dringen, um uns die Gewissheit zu schenken, dass sie treulich verkündet haben, was ihnen von Gott aufgetragen war.“ (Johannes Calvin, Institutio, I,7,4)
Prima. Wenn der Heilige Geist besser ist, als alle Beweise. Wozu dann noch die Bibel?

Wozu soll ich dieses blöde Buch lesen? Wozu soll ich mich mit anderen Christen über Auslegungen streiten? Wozu ist es überhaupt gut?

Oder verhält sich die Sache nicht vielmehr so:

1. Die Bibel hat immer Recht
2. Sollte es daran einen Zweifel geben, sagt dir der Heilige Geist, dass die Bibel Recht hat
3. Sollte dir aber der Heilige Geist etwas sagen, das nicht in der Bibel steht, dann hat die Bibel wieder Recht.

Auch diese wurde von mir schon früher beobachtet:
www.jesus-offline.de/glaube-und-gefuehl.88.html

Bemerke nur ich hier einen Zirkelschluss?

Gehen wir schnell weiter, dass ich ins Training komme.

3 Die Autorität der Schrift und der Gehorsam
3.1 Die Unauflöslichkeit der Schrift
Die Heilige Schrift bezeugt, dass sie ihrem Wesen nach und in Analogie zur Ewigkeit Gottes das unvergängliche Wort Gottes ist (Mt 24,35; 1 Petr 1,24.25; vgl. Jes 40,6-8). Daraus lässt sich schließen, dass Worte und Gebote der Bibel nicht beliebig aufgelöst werden können.
Er meint damit, dass man sich nach Scheidung nicht wieder verheiraten darf. Dass schwule Menschen schlecht sind. Sowas halt: Dinge, die das Leben von Menschen kaum beeinflussen und mit denen man ganz einfach leben kann, wenn man nur will.

Für mich ist sowas fast schon menschenverachtend. Und über all dem steht: "Sollte Gott gesagt haben." Von Widersprüchen wollen wir nichts wissen. Hauptsache Schwule sind böse. So lange wir keine kennen, können sie uns ja egal sein.

3.2 Die Auslegung der Schrift mit der Schrift
Nun zeigt sich bereits in der Schrift, dass versucht wird, falsche Lehren anhand der Schrift zu belegen. So versucht Satan, Jesus dazu zu bringen, auf ihn zu hören und ihn anzubeten, indem er die Schrift zitiert (Lk 4,10; Ps 91,11-12)
Ein Psalm. Hier wird ein Psalm zitiert - irgendwo mittendrin. "Er hat seinen Engeln befohlen über dir …" ist sicher ein schönes Lied. Aber ein Satan, der sowas zitiert outet sich doch als völlig wirr im Kopf.

Aber das beste kommt am Ende des Abschnitts:

Wenn heute Bibelworte aus dem Zusammenhang gerissen werden, um biblische Wahrheiten oder Ordnungen außer Kraft zu setzen, dann müssen wir dahinter eine satanische Strategie entdecken, die wir nur mit einer Waffe bekämpfen können: „dem Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes“ (Eph 6,17).
Er selbst glaubt Prophetien, die die Bibel völlig aus dem Zusammenhang reißen. Und dann will er genau daran eine satanische Strategie erkennen.
3.3 Gehorsam und Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes
Nun kommt er tatsächlich zu den Schwulen. Ich hatte schon Bedenken, ich hätte ihm das in den Mund gelegt. Den Abschnitt überspringe ich. Darüber sollen sich Christen mit Christen streiten. Am Ende dieser Diskussion wird es wieder interessant.
3.3.3 Löst die Bibel selber Gebote auf?
Vorgebracht wird auch das Argument, dass die Heilige Schrift selbst die Änderung von Geboten vornimmt: „Die Veränderbarkeit gesetzlicher Regelungen ist bereits innerbiblisch vielfach zu belegen“ und die „ungeschichtliche Übernahme gesetzlicher Einzelweisungen der Thora sowie der ethischen Weisungen des Neuen Testaments“ ist abzulehnen.[14] Der Landesbischof schreibt, „dass das Heiligkeitsgesetz eine Fülle von Bestimmungen enthält, an die wir uns als Christen nicht gebunden sehen.“[15]
([14] EVLKS, Abschlussbericht der Arbeitsgruppe der Kirchenleitung Homosexualität im biblischen Verständnis, S. 18.

[15] EVLKS, Erklärung des Landesbischofs anlässlich der Klausurtagung der Kirchenleitung am 20./21.1.2012 zum Umgang mit Homosexualität, S. 2.)

Wir sind noch bei der Argumentation, dass die böse Landeskirche Homosexualität nicht als Sünde sehen will, aber unser Kravatten-Autor schon. Hier werden irgendwelche liberalen Theologen zitiert, um sie auseinanderzunehmen.

Mich interessiert eigentlich nur die Überschrift: "Löst die Bibel selbst Gebote auf". Sicher wird der Autor dies verneinen. Aber wie war da nochmal diese verdammt blöde Sache mit David und Batseba? Hat da David nicht Ehebruch begangen. Hat er nicht einen Mordauftrag erteilt. Wie waren nochmal die Strafen dafür nach dem damals gültigen Gesetz? Todesstrafe (für beides). Und warum nochmal lebte David danach weiter? Weil Gott einfach das Kind abgemurkst hat?

Hey, ganz im ernst, lieber Johann Hesse. Dieser Gott hat sich wirklich einen Scheiß um sein eigenes Gesetz geschert.

Ich hab jetzt keinen Bock mehr. Hier kommt noch ne Schlussbemerkung.

4 Schlussbemerkung
Die Autorität der Heiligen Schrift erschließt sich allein aus ihrem Selbstzeugnis. Sie enthält nicht nur Gottes Wort, sondern sie ist in ihrer Ganzheit Gottes Wort. Die Erfüllung biblischer Prophetien untermauert die Autorität der Schrift. Staunend erkennen wir, dass Gott voraussagt und erfüllt.
So, liebe Leser. Ich bin nun ausreichend wach und gehe Sport machen. Tippfehler korrigiere ich die Tage.

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3 05.2013
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