Anmelden



09.11.2013 18:19

9. November oder Nine-Eleven?

Heute ist der 9. November 2013. Keine Ahnung, wie es euch geht. Für mich ist und bleibt dies ein besonderer Tag. Damals 1989 war ich gerade auf dem Rückweg von der Muschelfete in Mainz. Es wird so gegen 2 Uhr nachts gewesen sein, als ich in meinem klapprigen roten Opel Kadett das Radio anknipste und nur noch hysterisches Weinen und Lachen hörte. Ich brauchte mehrere Kilometer, bis ich begriff, was gerade geschehen war.

So ist der 9. November bis heute für mich ein Datum. Du brauchst mir nur „9. November“ sagen und schon ist die Vergangenheit angeknipst. Ich glaube alle Leute aus meiner Altersklasse verstehen sofort, wenn du „9. November“ sagst. 9. November ist ein Synonym für den Mauerfall.

Mir kam die Idee für diesen Blogbeitrag heute morgen, als ich per Online-Banking eine Rechnung bezahlte. Auf bezahlte Rechnungen schreibe ich immer das Datum in Kurzform und mache einen Haken. So weiß ich, dass sie erledigt ist. Und was schrieb ich wohl auf diese Rechnung?

9/11 schrieb ich.

Und im selben Moment zuckte ich zusammen. Plötzlich ganz anderes Kopfkino. Nine-Eleven oder neunter November. Diesen Blogbeitrag verlinke ich später irgendwo im Abschnitt Bibelübersetzung und -auslegung.

Wie oft werden wir wohl in dieser Bibel etwas gelesen haben, das so ganz klar war. Das so ganz klar und deutlich da stand und doch von uns völlig falsch interpretiert wurde? Das, was da steht, kann nach 2000 Jahren sehr trügerisch sein. Es könnte das komplette Gegenteil bedeuten.

Ich hab mich damals 1990 gefragt, warum man den 3. Oktober als Feiertag für die deutsche Einheit eingesetzt hat. Für mich war dieser 9. November ein derartig eindeutiges Datum. Das einzige Datum, bei dem ich tatsächlich mal etwas erlebt hatte, das einen Feiertag rechtfertigen würde. Doch dann nahm unsere Politik lieber einen total drögen 3. Oktober. Ein Nichts-Datum.

Ich habe gerade mal bei Wikipedia unter 9. November geschaut:

9.11.1848: Robert Blum wird nach dem Oktoberaufstand erschossen - übrigens war während dies geschah seine Begnadigung schon unterwegs - erreichte ihn aber nicht rechtzeitig.

9.11.1918: Novemberrevolution

9.11.1923: Hitler-Ludendorff-Putsch scheitert

9.11.1938: Reichs-Progromnacht

1888 ermordete Jack The Ripper am 9. November sein letztes Opfer. Sagt Wikipedia. Mir ist das heute scheiß-egal. Den Angehörigen damals wird dieses Datum sicher mehr bedeutet haben.

Wahrscheinlich lag es an 1938, dass man diesen nichtssagenden 3. Oktober zu unserem Tag der Deutschen Einheit gemacht hat und nicht den 9. November. Und warum tat man das? Weil es wohl noch ein paar Leute gab, die mit dem 9. November etwas ganz anderes verbanden als ich.

Ok. Ich will jetzt gar keine politische Nummer aus diesem Blogbeitrag machen und Dinge diskutieren, die ich 1990 nicht verstanden habe. Ich möchte lediglich noch einmal in Erinnerung rufen, wie missverständlich klare Worte doch sein können. Dinge, die heute hunderprozentig klar sind, können in 2000 Jahren nicht mehr rekonstruierbar sein. Und bei einigen Dingen, die in dieser Bibel stehen, ist das nicht anders.

Mein Paradebeispiel dazu ist immer wieder die Sache mit dem Schleier aus 1. Korinther 11.

Trotzdem haben wir in unserer Zeit als Christ wohl immer wieder versucht, die Bibel wörtlich zu nehmen. Das zu tun, was unser Gott von uns will. Und Leute wie ich sind dabei fast verrückt geworden. Vor allem, wenn man sich plötzlich zwischen zwei Fronten befand. Zwischen zwei Menschen, die man beide ernst nahm, die beide Christen waren. Die vielleicht sogar beide Vorbilder waren. Und die beide eine so genannte lebendige Beziehung zu Jesus Christus hatten. Und doch beide etwas unterschiedliches glaubten.

Ich habe während meiner 8-jährigen Zeit als Christ so einige Ansichten ändern müssen, die scheinbar ganz klar in dieser Bibel standen. Und ich kann nur immer wieder die Frage stellen: Wo ist dieser Gott eigentlich?

Verstehen wir in diesem angeblichen Wort Gottes wirklich worum es geht, wenn wir die Bibel so auslegen, wie wir es mit unserem kulturellen Hintergrund tun? Oder ist das, was wie Verständnis aussieht, letzten Endes nicht mehr als ein Lotteriespiel.

Was verstehen wir wirklich davon, was die Bibel zu Homosexualität, Sex und Wiederheirat sagt. Oder nehmen wir ein theologisches Thema. Wie muss denn eigentlich eine „richtige“ Taufe ablaufen? Muss man untertauchen? Reicht dieses Besprengen. Muss man Christ sein? Wenn man irgendwie Christ war, aber erst später versteht, worum es geht. Muss man sich dann nochmal taufen lassen? Kann man Kinder taufen?

Wenn die Taufe ein Zeichen der Umkehr ist. Kann ich mich dann auch mehrmals taufen lassen?

Diese ganzen Dinge beantwortet man in der Gemeinde ganz klar, wie ich oben den 9. November. Nur mit dem Unterschied, dass man in einigen Gemeinden 9/11 ganz klar als „9. November“ und in anderen 9/11 ganz klar als „Nine-Eleven“ interpretiert.

Ich kann allen Christen nur immer wieder sagen: Denkt genau nach, was ihr da glaubt und auf welches Wort Gottes ihr da vertraut. Mag sein, dass ihr eurer Haus damit auf Fels baut. Das hilft euch aber auch nichts, wenn es eine Strohhütte ist, die beim nächsten Wind weggeweht wird.