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04.07.2013 20:15

Heilsgeschichtliche Theologie

Während meiner Bibelschulzeit mussten wir uns durch viele Fächer ballern, die für den normalen Sterblichen wie Kinderkrankheiten klangen: Hermeneutik, Homiletik, Katechetik und unter anderem auch heilsgeschichtliche Theologie. Ein Fach, unter dem ich mir nicht so wirklich viel vorstellen konnte. Ich wusste lediglich von unseren Vorgängern, dass es sehr interessant werden sollte.

Außer dass es tatsächlich interessant wurde, habe von unserem Unterricht damals überhaupt nichts mehr in Erinnerung. Nicht mal mehr eine kleine Anekdote oder einen Geistesblitz. Aber wegen unserer aktuellen Diskussionen hier im Forum, dachte ich mir, es wäre mal eine interessante Sache, etwas darüber zu schreiben.

Geschichte und Heilsgeschichte

Wenn heute ein Ausländer sagt: "Ich fahre nicht nach Deutschland, die verbrennen dort Hexen", wird jeder die Augen verdrehen. Wie kommt man darauf?

Tatsache ist: Wir haben hier wirklich Hexen verbrannt, nämlich vor 500 Jahren. Wenn jemand deswegen heute Vorbehalte hat, hat er allerdings den Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit nicht begriffen.

In der Bibel gibt es nun noch eine Dimension mehr, nämlich die Heilsgeschichte. Es geht also nicht nur um die korrekte Einordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sondern auch noch um die Einordnung in den angeblichen Plan Gottes, der sich ja nach der Fantasie vieler Christen, wie ein roter Faden durch die Bibel zieht.

Nur wenn ich diese Einordnung richtig vornehme und möglichst viele Fakten zu einem Text kenne, kann ich daraus wirklich eine Auslegung ableiten. So gesehen ist die Heilsgeschichte also genauso wichtig wie die Sprachgeschichte oder der Kontext und dient dazu, zu verstehen, was man damals bei einem Text verstanden hat und in welcher Hinsicht er heute zu auszulegen ist.

Torah, Nabim, Ketubim

Nein, auch dies sind keine Kinderkrankheiten. Dies sind die hebräischen Worte für Gesetz, Propheten und Schriften. So bezeichnen die Juden ihre heiligen Schriften - also das, was wir Altes Testament nennen.

Torah bedeutet Gesetz und bezeichnet die 5 Bücher Mose, weil darin das jüdische Gesetz enthalten ist. Nabim, die Propheten, sind sowas wie Jesaja, Jeremia usw. Und die Ketubim sind Schriften wie die langweiligen Psalmen, der depressive Prediger, das notgeile Hohelied oder auch die Sprüchesammlung Salomos.

Aus Vereinfachungsgründen nennen viele Juden ihr heiliges Buch einfach nur Torah. Und auch Jesus kürzte es etwas ab, als er sagte: "Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Das ist das Gesetz und die Propheten (Torah und Nabim)".

So. Und nachdem nun die Fronten und die Fremdworte geklärt sind, fangen wir einfach an.

Gott und seine Schöpfung

Gott ist schon irgendwie ein ganz cooles Konstrukt. Er war schon immer da. Hat keinen Anfang und kein Ende. Trotzdem kam er auf die Idee, sowas wie die Zeit zu erfinden, unsere Welt zu erschaffen mit den ganzen Pflanzen und Tieren, wie beispielsweise den Stechmücken, die mir gerade tierisch auf den Sack gehen.

Seine Schöpfung krönte er mit der Gattung Mensch. Bei der Namenswahl war er weniger kreativ: Adam bedeutet hebräisch Mensch.

Dann geschah, was geschehen musste: Die Vögel vögelten, die Schlangen schlängelten, die Menschen menschelten und schon hatten wir den bösen Sündenfall. Die bösen Menschen wurden aus dem schönen Paradis in die verderbte Welt geworfen. Das Paradis lag übrigens irgendwo in der Wüste des heutigen Iran/Irak. War bestimmt super dort.

Scheiße rein, Scheiße raus

Altes EDV-Konzept: Wenn du irgendwo Scheiße eingibst, kommt hinten auch wieder Scheiße raus. Gott verstand dieses Konzept nun nicht ganz und fand den Menschen "sehr gut". Zumindest bei der Schöpfung noch. Aber seine Kreation hatte offensichtliche Schwächen, weshalb er sich entschloss, sie zu Zeiten Noahs alle zu ertränken. Naja, fast alle.

Überspringen wir die Arche Noah, die wir sicher alle gern gesehen hätten und unterdrücken wir den Drang, darüber zu diskutieren. Denn in diesem Text geht es um die Heilsgeschichte.

Der Bund mit Noah

Nach der Sintflut erfindet Gott den Regenbogen und schließt einen Bund mit Noah. Er wird nie wieder die Welt ertränken. Toll, Gott. Ganz toll gemacht. Freuen wir uns alle über den dekorativen Regenbogen, der uns bis heute regelmäßig den verregneten Tag versüßt.

Zeittechnisch lässt sich dieser Bund mit Noah nicht einordnen. Aber auf unserem Weg durch die Heilsgeschichte haben wir den ersten Meiensteln erreicht: Gott schließt einen Bund mit Noah und vereinbart ein Zeichen: Der Regenbogen soll ihn daran erinnern, dass er nie wieder die Welt ertränken will. Damals nannte man ihn Zeichen, heute würden wir "Reminder" dazu sagen.

Es gibt noch keine 10 Gebote. Es gibt nur einen Bund.

Sem = Schem

Ihr sollt ja etwas bei mir lernen, also machen wir einen Exkurs: Antisemitismus - woher kommt das? Es kommt von Sem. Es gbt da einen hebräischen Buchstaben, der aussieht wie eine abgebrochene Gabel und der sowohl S als auch SCH ausgesprochen wird. Die Russen haben ihn sich bis heute erhalten.

Antisemitismus kommt von Schem, einem der Söhne von Noah. Hat mit der Heilsgeschichte nichts zu tun, aber ist doch interessant, welche Worte so ihren Ursprung in der Bibel haben.

Der Bund mit Abraham - das Land (ca. 2000 v. Chr.)

Es gibt immer noch keine 10 Gebote, die klarstellen, was richtig und was falsch ist. Trotzdem schließt Gott einen Bund mit Abram. Und nebenbei erhält Abraham einen neuen Namen.

Unser kinderloser Abram geht dann mit seinen 75 Jahren zu seinen Freunden und sagt ihnen: "Nennt mich bitte ab sofort nicht mehr 'erhobener Vater' (Abram), sondern sagt bitte ab heute 'Vater vieler Nationen' (Abraham) zu mir". Gut, dass damals noch keine Klapsmühlen erfunden waren :-)

Aber Gott meint es ernst: Er geht mit Abraham durch geteilte Tierhälften. So unterschrieb man damals noch Verträge, denn dies hieß: Wenn ich mich nicht an meine Zusage halte, soll es mir genauso gehen, wie diesem Tier.

Es gibt immer noch keine 10 Gebote. Die hätten es dem armen Abraham möglicherweise erspart, fast seinen Sohn Isaak zu opfern, denn Kinderopfer sind dem Herrn später ein Greul. Aber das wird erst in 500 Jahren so sein.

Von Abraham zu Israel

Abraham zeugt Isaak, Isaak zeugt Jakob und den nennt man später Israel. Warum? Weil er der Papa der 12 Stämme Israels ist.

Und immer noch haben wir keine 10 Gebote und kein Gesetz. Aus diesem Grund berichtet die Bibel uns ganz freimütig davon, dass Israels Sprössling Juda (von dem später die Juden abstammen werden) ganz selbstverständlich eine Frau angräbt, die er für eine Prostituierte hält (1. Mose 38).

Das Gesetz des Mose (ca. 1500 v. Chr.)

500 Jahre sind vergangen. Je nach Zeittafel befinden wir uns im 15. oder im 13. Jahrhundert vor Christus. Nun endlich kommt Gott zu Mose und gibt ihm die blöden Steintafeln mit diesem überbürokratischen Gesetz. In 628 Einzelvorschriften (davon 365 Verboten) wird nun genau geregelt, was falsch ist und was richtig. Und wegen diesem Gesetz heißt das heilige Buch der Juden bis heute Torah.

Naja, über die 10 Gebote wurde ja genug geschrieben. Weniger bekannt, aber umso gruseliger zu lesen ist das Gesetz, das dahinter kommt. Für alle, die eine interessante Gute-Nacht-Lektüre suchen: Einmal im Leben sollte man dieses Gesetz gelesen haben. Wenigstens so weit, bis man von selbst aufgibt. Die Startpunkte kann man sich gut merken: 2. Mose 20 und 5. Mose 5.

Kanaan - das gelobte Land

Endlich kommt der Einzug nach Kanaan. Und welcher Bund erfüllt sich nun? Nein, nicht der Bund mit Mose, der mit Abraham erfüllt sich.

Und noch etwas lernen wir hier: Der jüdische Glaube ist nicht missionarisch. Die Kanaaniter werden abgeschlachtet - auf Geheiß des JHWH. Und wenn die Schlachterei irgendwo nicht vollständig durchgeführt wird, gibt es Druck für das Volk Gottes. Auch dies gehört zur Heilsgeschichte: Gott hat sich ein Volk ausgesucht. Für uns Heiden hat er sich überhaupt nicht interessiert. Im Gegenteil. Er befahl seinem Israel, die Heiden zu töten.

Der Bund mit David - sein Haus soll immer Israel führen (ca. 1000 v. Chr.)

Schwupps, wo ist nur die Zeit hin? Schon wieder sind 500 Jahre um und Gott hält die Zeit für gekommen, einen neuen Bund zu schließen. Diesmal mit David. Sein Haus wird immer Israel führen. Das freut David sicher und ist auch gleichzeitig der Grund dafür, dass die beiden voneinander abweichenden Geschlechtsregister in Matthäus und Lukas doch zumindest beide David enthalten. Es ist nämlich voll wichtig, dass Jesus ein Nachkomme Davids ist, sonst kann Jesus nämlich nicht Jesus sein.

Nun endlich gibt es das Gesetz von Mose. Nun endlich wissen wir, dass auf Ehebruch der Tod steht. Trotzdem hält sich Gott nicht dran, als David sich an Batseba heranmacht. Bei Judas kleiner Nuttenstory konnten wir noch verschmitzt lächeln. Jetzt dürfen wir die Stirn in Falten legen und fragen: "Ja kennt denn Gott sein eigenes Gesetz nicht richtig". So funktioniert Heilsgeschichte.

Israels Teilung

Nach David kommt Salomo. Und danach wird es dunkel über Israel. Man streitet sich, man teilt sich, man kämpft gegeneinander und man wird von außen besiegt.

10½ Stämme gehen verloren bzw. werden in das überführt, was das NT später Samariter nennen wird. Warum Samariter? Weil die ihre eigene Hauptstadt Samaria ausrufen werden.

1½ Stämme überleben. Darunter Juda und die Hälfte von Benjamin. Die 12 Stämme Israels gibt es nicht mehr. Es gibt nur noch Juda. Der Stamm, der den Juden ihren Namen gab.

Die Zeit der Propheten (ca. 1000 - ca. 500 v. Chr)

Auch die Propheten haben nun ihre Zeit. Es gibt jede Menge Prophezeiungen über Zukünftiges und Gegenwärtiges.

Wir erinnern uns an das Kind einer Jungfrau und Immanuel aus Jesaja 7,14. Aus Bethlehem soll der Retter nach Micha 5,1 kommen. Und es werden viele Worte gesprochen, die später ihren Platz auf Postern und Karten mit Sonnenuntergängen drauf finden werden.

Immer wieder prophezeien die Propheten Druck von Gott, weil niemand sich an seine Gebote halten will. Israel bekommt viele Teile seines Landes weggenommen. Dies ist allerdings hochproblematisch. Warum? Weil es nicht der Mose-Bund ist, der Israel das Land gibt. Da war diese dumme Sache mit Abraham und den Tierhälften. Gott hat Abraham das Land versprochen. Und das nicht nur, wenn sich seine Nachkommen an das Mose-Gesetz halten, das damals noch 500 Jahre weit weg war. Das war vor 1000 Jahren.

Jesaja 53

Diesen kranken Matthäus-Prophezeiungen habe ich schon damals als Christ nicht vertrauen wollen. Zu weit sind sie mir von der Wahrheit entfernt gewesen. Aber ein Jesaja-Kapitel konnte ich auswendig: Jesaja 53. In Wirklichkeit fängt der Text bereits am Ende von Kapitel 52 an.

Was wir hier gesagt? Es ist von einem leidenden Gottesknecht die Rede. Einfach mal den Text selbst lesen. Er wird unscheinbar sein, man wird ihm nicht glauben, man wird ihn foltern, hinrichten, mit Heiden begraben. Und - sehr wichtig - er wird den Heiden (Nationen) begegnen. Den Heiden? Ja, den Heiden, die man damals ins Kanaan abschlachtete. Man überliest es schnell, aber das ist wichtig, denn das ist Revolution. Es steht in Jes. 52,15.

Und zum Schluss gehts dann noch an die Seite Gottes mit Happy End usw.

Der Text ist alt. Fachleute rätseln über Jesaja, Deuterojesaja, Tritojesaja. Aber selbst im worst case (3 unterschiedliche Jesaja-Schreiber) ist der Text einige hundert Jahre vor Jesus entstanden.

Jeremia 31,33

Aufpassen, nun kommt noch eine ganz wichtige Stelle: Gott kündigt einen neuen Bund an:
Und das soll der neue Bund sein, den ich mit Israel schließen will: Ich werde mein Gesetz in ihr Herz und in Ihren Sinn schreiben. Und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Es gibt also eine deutliche Veränderung mit dem neuen Bund: Die Menschen werden das Gesetz in sich tragen. Wie man das nun auslegen will, bleibt jedem selbst überlassen. Aber es passt durchaus zu den Aussagen, die Jesus später machen wird.

Stunde Null - Jesus - der neue Bund

Endlich ist er da: Jesus der Christus. Die ersten Christen waren allerdings noch Juden. Man nannte sie abfällig "Christianer" (wie Marsianer).

Alle Argumentationen von Jesus beziehen sich auf jüdische Schriften und viele Dispute gibt es mit den Parisäern, die eigentlich eine besonders fromme Kaste der Juden waren. Mit den Heiden - und jetzt schnallt euch an - wollte auch Jesus nichts zu tun haben. Als ihn eine kanaanäische Frau um Hilfe bittet, schickt er sie zunächst weg. Auch diese Stelle wird gern überlesen. Aber heute schauen wir sie uns an: Was steht in Matthäus 15:

"Es wäre nicht richtig, den Kindern ihr Brot zu nehmen und es den Hunden hinzuwerfen."
(Jesus Christus)
Kinder=Juden, Brot=Jesus, Hunde=Wir. So sieht Jesus die Welt. Auch wenn er der Frau später helfen wird.

Oder wie klingen diese Worte Jesu hier in Matthäus 10,5:

"Geht nicht zu den Heiden und auch nicht zu den Samaritern, sondern geht zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel"
(Jesus Christus)

Kreuzigung

Mit Jesu Kreuzigung trägt er nun angeblich die Sünden der Welt. Abgeleitet auch aus Jesaja 53, weiter oben im Text. Das jüdische Gesetz ist nun quasi in ihm erfüllt. Jesus ist das letzte Opferlamm. Geopfert für den unsinnigen Zorn eines grausamen und launischen Gottes. Die Strafe ist bezahlt, das Gesetz ist "erfüllt".

Nun gilt nur noch:

"Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Das ist das Gesetz und die Propheten".
Dieses Gesetz hat mehr freiwilligen Charakter. So als ob jemand seiner Freundin zuliebe nicht raucht, einfach weil er weiß, dass es sie belästigt. Und dies ohne dass jemand eine Regel aufstellt - einfach so, aus Liebe.

Wie war das nochmal, was Jeremia prophezeit hat:

Ich will mein Gesetz in Ihr Herz und ihren Sinn schreiben. Und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.
Es geht also nicht mehr darum, das zu tun, was irgendwo aufgeschrieben wurde, sondern einfach das richtige zu tun.

Und was wird aus Moses Gesetz?

Voll schwierige Frage: Was passiert nun mit diesen Mose-Gesetzen. Jesus sagt in Matthäus 5,17, er sei nicht gekommen, es aufzuheben, sondern zu erfüllen. Paulus schreibt in Gal. 5,14, dass das ganze Gesetz in dem einen Satz erfüllt sei: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Christen müssen sich also nicht mehr an das AT-Gesetz halten. Allerdings nicht, weil es nicht mehr gültig ist, sondern weil sie in einem neuen Bund leben. Das Buchstabengesetz konnte niemand wirklich erfüllen. Nun kam Jesus, ist gestorben und hat es quasi erfüllt. Seine Anhänger leben nun unter dem Gesetz des Geistes. Sie leben unter dem Gesetz der Freiheit. Sie sollen kein Buchstabengesetz mehr halten, das man sowieso nicht halten kann, sondern sie sollen einfach das richtige tun. Und wenn sie dies tun und Jesus nachfolgen, dann sorgt Jesus quasi dafür, dass das Mosegesetz zwar noch theoretisch besteht, aber praktisch für seine Nachfolger erfüllt ist.

Versteht das jemand? Naja, man muss nicht alles immer verstehen :-)

Bringen wir es umgangssprachlich auf den Punkt: Die Nachfolger Jesu lebten in einem neuen Bund und brauchten sich um das Mose-Gesetz keine großen Gedanken mehr zu machen.

Blödes Beispiel gefällig? Wikipedia sagt uns dies hier im Artikel zur Todesstrafe.

Bis heute erlaubt Art. 21 Abs. 1 der Verfassung des Landes Hessen bei besonders schweren Verbrechen ein richterliches Todesurteil aufgrund eines Strafgesetzes.[139] Diese Artikel waren seit Inkrafttreten des Grundgesetzes gegenstandslos geworden.
Ich arbeite in Hessen. In der hessischen Verfassung gibt es also noch die Todesstrafe. Solange Hessen allerdings zur Bundesrepublik Deutschland gehört, bricht Bundesrecht das Länderrecht. Praktisch gibt es also keine Todesstrafe, solange Hessen zur BRD gehört. Käme es zu einem Austritt, wäre die Todesstrafe zumindest nach Verfassung zulässig.

Ok, ist ein blödes Beispiel. Aber die Bibel ist ja auch kein einfaches Buch.

Das mosaische Gesetz II - den Juden ein Jude

Das Richtige tun, das kann manchmal auch bedeuten, das Gesetz des Mose zu halten. Wie geht das nun? Jetzt kommts richtig hart. Denn Paulus schrieb 1. Korinther 9,19-23.

Das wichtigste für Paulus war, dass Menschen zum Glauben an Jesus kommen. Dem hat er alles untergeordnet. Und dafür war er auch zu vielen Kompromissen bereit. Er schreibt, er hätte sich gegenüber allen zum Sklaven gemacht.

Den Juden gegenüber hat er sich wie ein Jude verhalten,
denen unter dem Gesetz hat er sich wie einer unter dem Gesetz verhalten
denen ohne Gesetz (wir reden von Moses Gesetz) hat er sich wie jemand ohne Gesetz verhalten (also jemandem wie uns).

Was bedeutet das also im Klartext? Wenn Paulus mit Juden zusammen war, dann hat er sich auch an jüdische Gesetze gehalten. Nicht weil er es hätte tun müssen, sondern weil er sie nicht vor den Kopf stoßen wollte. Darum ist es im NT durchaus wichtig, ein wenig über die Gemeinden zu wissen, denen er so schreibt.

Paulus hält also lieber ein Gebot, das er nicht halten muss, einfach nur damit Leute nicht vor den Kopf gestoßen werden oder vom Glauben abfallen, die auf ein solches Gebot Wert legen könnten. Weiter kann ich das nicht vertiefen. Aber es geht einmal mehr darum, das richtige zu tun, nicht irgendwelche Gebote zu halten.

Römer 14 ab Vers 13 ist auch ein solches Thema: Im AT gab es viele Speisegebote und unreine Tiere, die man nicht essen durfte. Paulus stellt klar, dass nichts unrein ist, es sei denn, man hält es für unrein. Und nun legt er die Speisegebote ganz anders aus: Er sagt nicht: "Esst nichts unreines". Für ihn ist nichts unrein. Nein, er sagt: Wenn dein Bruder wegen etwas, das du isst, betrübt wird, dann bist du nicht mehr in der Liebe (Jesu). Oder anders ausgedrückt: dann tust du nicht mehr das richtige. Also lass lieber etwas stehen, das du essen dürftest, wenn jemand dabei ist, der damit nicht umgehen kann dass du es isst.

Christen haben also einen großen Auslegungsspielraum, was irgendwelche Gebote betrifft. Dabei orientieren sie sich aber nun nicht mehr nach einem Buchstaben, sondern an der Liebe zum Nächsten und der Liebe zu Gott.

Eine klare Aussage, was ihr nun als Christen hättet halten sollen und was nicht, habt ihr nun immer noch nicht von mir. Eben das ist aber auch genau das Problem, denn es kommt in vielen Fällen einfach darauf an.

Die Heiden = wir

Gehet hin in alle Welt, sagt Jesus dann am Ende von Matthäus. Endlich geht es dann wohl auch zu uns. Aber auch Paulus hatte Vorbehalte den Heiden gegenüber. Wir lesen in Apostelgeschichte 13, wie Paulus zu den Juden sagt: "Euch musste das Evangelium zuerst gepredigt werden. Weil ihr es aber nicht hören wollt, wenden wir uns nun den Heiden zu". Und das tat er. Denn wenn wir heute eine christliche Kultur haben, dann liegt das weniger an Jesus, sondern vielmehr an Paulus, der auf sein Leben geschissen hat, wenn er nur allen von Jesus erzählen konnte.

Die Juden

Als ich 1995 in Israel war, las ich jeden Abend den Römerbrief. Was genau macht Gott eigentlich mit diesen Juden, die einfach nicht Jesus erkennen wollen. Kommen die nun in die Hölle oder später auf Umwegen doch in den Himmel? Manche sehen da Auslegungsspielraum in der Offenbarung irgendwo beim Feuersee. Ich sah das nicht. Aber wer versteht schon die Offenbarung?!

Die Juden - das Volk Gottes - wurden irgendwie gegen die Christen ausgetauscht. Oder doch nicht? Niemand weiß es, obwohl doch manche so tun, als wüssten sie es. Auch so eine Besonderheit der Heilsgeschichte, dass ausgerechnet das Volk Gottes noch auf etwas warten soll, das lange schon da ist.

Fazit zur Heilsgeschichte

Weiter wird es irgendwann in Zukunft mit der Offenbarung gehen. Aber darüber sollen Christen spekulieren.

Ich wollte mit meinem Text lediglich eine Sache herausarbeiten: Ihr könnt nicht einfach die Bibel aufschlagen und irgendein Gebot wörtlich nehmen. Ihr müsst es in die richtige heilsgeschichtliche Einordnung bringen. Für Christen stellt sich nicht mehr die Frage, ob man Ehebrecher steinigt. Man tut es nicht. Jesus sagte: "Wer von euch ohne Sünde ist, soll den ersten Stein werfen." Der Unterschied zwischen dem damaligen jüdischen Glauben und dem heutigen christlichen sollte also sein, dass man nicht mehr blind Gesetze befolgt, sondern vergibt, Nachsicht zeigt und sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten bewusst ist.

Stellen wie Galater 5 werden plötzlich sehr wichtig. Dort beschreibt Paulus, was die logische Konsequenz ist, wenn man sein Leben Gott gibt: Man entwickelt Früchte des Geistes: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Selbstdisziplin. Entwickelt jemand allerdings nur Früchte des Fleisches (also die bösen Dinge), dann gibt es ein Problem mit dem Glauben. Entwickelt man ausschließlich Früchte des Fleisches, steht der komplette Glaube in Frage. Das mehr oder weniger "klare" Gesetz wird für Soft-Facts aufgegeben.

Aber es gibt auch im Neuen Testament "klare" Werte. Nach Römer 1 ist das NT gegen Homosexualität. Es gibt nicht viele Erklärungen dazu, sondern es geht einfach davon aus, dass dies Konsens ist. Jesus hat die Scheidung gegenüber dem Mose-Gesetz sehr verkompliziert, indem er sagte: "Ihr dürft euch zwar scheiden lassen, aber dann nicht mehr heiraten". Das war im AT noch deutlich einfacher. Solche Werte versucht man nun als Christ in seinen eigentlich von Gesetzen befreiten Glauben einzuarbeiten. Was bleibt einem auch sonst übrig.

Das war es zu dieser Thematik. Dass der christliche Glaube teilweise sehr unlogisch mit Gesetz und Freiheit umgeht, muss ich wohl nicht erwähnen. Es gibt nun quasi ein ungeschriebenes Gesetz, das man freiwillig hält. Gezwungenermaßen freiwillig, weil man ja unter der Freiheit lebt. Christen werden dem widersprechen.

Aber Sinn dieses Artikels ist ausnahmsweise mal keine Diskussion. ich wollte wegen unserer aktuellen Diskussion einfach nur mal ausführlich dargestellt haben, wie ich bestimmte Dinge in der Bibel bewertet und ausgelegt habe.

Ich habe diese Rachepsalmen nie auf mich bezogen und meinen Feinden Böses gewünscht, wie es David getan hat. Während David hat Israel noch gegen die Heiden (gegen uns gekämpft). So haben wir die absurde Situation, dass ich sagen würde: "Die Bibel spricht nicht davon, seine Feinde zu hassen. Sie spricht davon, seine Feinde zu lieben."

Gehe ich wörtlich an die Bibel heran, sagt sie sehr wohl, dass ich meine Feinde hassen soll. Es gibt davon auch bei weitem mehr Stellen, als die, die von Feindesliebe sprechen. Aber unabhängig davon, wie viele es geben mag: Diese Hass-Stellen sind für mich als Christ keine Option mehr gewesen. Christen sollen ihre Feinde lieben, nicht hassen.

Wenn nun jemand das Gegenteil behaupten will, mag er mir Stellen zitieren. Ich sage trotzdem: Das ist Eigen-Theologie. Kein Christ findet gültige Stellen in der Bibel, dass er seine Feinde hassen soll. Ebensowenig, dass er Ehebrecher steinigen soll. Diese Stellen gab es mal. Sie sind noch vorhanden wie in einem Geschichtsbuch. Aber sie betreffen die Christen nicht mehr.

So. Ich denke, meine Ansicht ist angekommen. Ihr dürft das gern anders sehen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass euch dieser Beitrag etwas gebracht hat, obwohl er lang ist und doch viel zu kurz, um das Thema wirklich voll auszuleuchten.