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30.11.-0001 00:00

Mit Christen argumentieren?

Soweit es mich betrifft, hättest du mich mit dieser Webseite wahrscheinlich nicht überzeugen können. Du hättest damit aber einen Denkprozess ausgelöst, der aber nicht zu einer schnellen Lösung geführt hätte. Bei mir hat es mehrere Jahre gegährt.

Dadurch, dass es diese Webseite Anfang der 90er noch nicht gab, waren es bei mir ein paar Jahre mehr. Mir mussten diese Dinge erst auffallen, ich musste sie dann zunächst als merkwürdig und dann als kritisch bewerten. Dann erst lief das Fass über. Ob dies bei der Person, die du im Auge hast, ähnlich funktionieren wird - damit solltest du nicht rechnen.

Wer sich in seiner Gemeinde wohlfühlt, ist logischen Argumenten gegenüber kaum aufgeschlossen. Oder anders ausgedrückt: wer sich von Gott geliebt fühlt, lässt sich von seiner Nicht-Existenz mit logischen Argumenten nur schwer überzeugen.

Was kannst du tun? Nicht viel!

Es macht sicher Sinn, sich zu informieren, Kontakt zu halten und wenn es hart kommt da zu sein. Mach dir aber  bewusst, dass jemand, der gern aussteigen will, auch mit seinem Stolz zu kämpfen hat. Allzu engagierte Diskussionen können dazu führen, dass es demjenigen peinlich ist, seinen Irrweg zuzugeben. Mir war es unendlich unangenehm, vor meinen Eltern und auch einigen Freunden zugeben zu müssen, dass ich jahrelang ein Phantom gejagt habe.

Heute hätte ich damit kein Problem mehr. Aber damals - als ich sowieso genug Probleme damit hatte, mein Leben neu zu ordnen - war dies nochmal eine zusätzliche Hürde. Ich war damals völlig weltfremd. Es ist für mich heute unfassbar, wie weit ich mich vom "normalen" Leben verabschiedet hatte. Ich hatte fast schon Angst davor. Rechne  damit, dass die Person, die du  im Auge hast, ähnliches durchmacht und sich mit Dingen neu anfreunden muss, die für dich völlig normal sind.

Das einzige, was ich empfehlen kann, ist also:

  • Für die Person da sein und die Freundschaft pflegen
  • zuhören
  • Positiv argumentieren. Weniger Recht haben wollen, sonden eher Fragen stellen.

Man kann einen Christen nicht "überzeugen". Das muss er selbst tun.


30.11.-0001 00:00

Was haben Christen, das wir nicht haben?

Als Nicht-Christ hat man wenig Einblicke in das Gemeindeleben. Also hier ein paar Worte dazu, was Ihr Freund dort findet und was ihm wichtig sein könnte.

1. Gemeindeleiter und Pastoren sind Vertrauenspersonen

Wenn jemand eine christliche Gemeinde besucht, hat er dort meistens Vorbilder. Das können Jugendleiter, Pastoren oder Älteste sein. Diesen Menschen vertraut er. Viele sind dieses Vertrauens auch würdig, denn sie glauben selbst das, was sie verkündigen und leben es auch. Es kann sein, dass Ihr Freund dort eine Art von Zuneigung oder ein Wertesystem vermittelt bekommt, das er von zuhause nicht kennt, das ihm aber viel bedeutet. Entschiedene Christen sind ehrliche Menschen (meistens) und dies macht Eindruck.

In unserer Bibelschule beispielsweise schrieben wir Klausuren ohne Aufsicht. Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass man die Bibelschulzeit auf einer Arschbacke absitzt. Griechisch, Hebräisch, Englisch, Systhematische Theologie, Kirchengeschichte - ohne Ende Zeug zum Auswendiglernen. Ich hab noch nie so sehr gebüffelt, wie dort.

Ein Lehrer verlas nach jedem Test offen die richtigen Antworten, dann ermittelte jeder Schüler selbst seine Punktzahl, schrieb seine Note auf den Test und gab ihn ab. Und wenn dieser Test schlecht war, gab man sich 0 Punkte und eine sechs.

Als das erste Mal ein Lehrer die Klausuren austeilte, auf das Telefon deutete mit den Worten Wenns Fragen gibt, erreichen Sie mich auf der 33 und den Prüfungsraum verließ, schauten wir uns alle verdutzt an. Die Botschaft war aber klar: Wir glauben an einen lebendigen Gott, der alles sieht. Wer hier abschreibt, hat überhaupt nicht begriffen, worum es geht und gehört nicht hierher. Und so schrieben wir gute oder schlechte Noten, ganz ohne Aufsicht und ganz ohne abzuschreiben.

Eine Mitschülerin aus einem höheren Jahrgang erzählte mir damals, dass sie mal geschummelt hat. Dann konnte sie nachts nicht schlafen und unterrichtete den entsprechenden Lehrer. Daraufhin bekam sie eine sechs und die Sache war erledigt. Keine Vorwürfe, kein späteres Misstrauen. Sechs und vergessen. So funktioniert christlicher Umgang miteinander. Sollte zumindest.

Das mag für Sie absolut schwachsinnig klingen. Aber es war genauso. Es war immer so. Und es ist bis heute das, was mich an diesem Glauben zutiefst fasziniert: die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit. Man erlebt ein Stück heile und perfekte Welt. Darauf war ich sehr stolz und Ihr Freund wird darauf auch sehr stolz sein. Rechnen Sie damit, dass Ihr Freund in seiner Gemeinde Dinge findet, die die normale Welt nicht kennt und die auch Sie ihm nicht bieten können oder wollen.

Aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zu seinen Vorbild-Personen, wird es ihm sehr schwerfallen, die Meinung seiner Vorbilder anzuzweifeln. Insbesondere, wenn er sich in der Bibel nicht besonders gut auskennt. Er wird dann eher die Meinung seiner Vorbilder übernehmen.

Vielleicht noch ein kurzes persönliches Wort. Der eine oder andere wird auf dieser Seite nun evtl. den Namen meiner Bibelschule suchen. Sparen Sie sich die Zeit. Ich bin mit meinen Lehrern zwar so ziemlich in allen Punkten unterschiedlicher Ansicht. Aber ich schätze diese Menschen bis heute. Auch wenn ich es wichtig finde, diese Seite ins Netz zu stellen, möchte ich sie hier nicht vorführen. Beziehungen zwischen Christen können sehr tief sein. Mir bedeuten meine Lehrer von früher auch heute noch etwas, auch wenn ich ihren Glauben nicht mehr teile.

 

2. Hauskreise

In einer Gemeinde geht man normalerweise nicht nur zum Gottesdienst. Es gibt zusätzlich noch Bibel- oder Hauskreise. Wir trafen uns früher einmal pro Woche in einer lockeren Gruppe von vielleicht 5-10 Leuten. Dort tranken wir Tee, aßen Kekse, sangen fromme Liedchen, lasen ein bißchen der Bibel (meistens hatte einer ein Thema vorbereitet) und diskutierten darüber. Außerdem erzählten wir dort, wie es uns ging, was uns wichtig ist und wir beteten zusammen dafür.

Erst nach meiner christlichen Zeit stellte ich fest, dass die meisten Selbsthilfegruppen genauso funktionieren. Man trifft sich, unterhält sich über seine Probleme, trifft vor und mit anderen Entscheidungen und hat das Gefühl, nicht alleingelassen zu sein. In einem guten Hauskreis entstehen feste Freundschaften und die Mitglieder fühlen sich sehr verbunden. Wo sonst sitzen Menschen einmal pro Woche zusammen und unterhalten sich einfach mal über Gott und sich selbst?

3. Gott

Christen glauben an einen ewigen Gott und an das ewige Leben. Man spricht mit seinem Gott. Dieser Gott nimmt im Lauf des Christenlebens eine immer wichtige Rolle ein. Bei mir wurde es zunächst normal, mit Gott zu sprechen. Später wurde es zur Gewohnheit, dann fast zu sowas wie einer Sucht. Ein Leben ohne Gott kam mir unendlich leer vor. Allein der Gedanke, mich von diesem Gott, der ja fast schon mein Freund war zu lösen, war für mich damals nur schwer erträglich.

4. Die Bibel

Kennst du das Buch Herr der Ringe? Ein dickes Buch mit vielen unbekannten Völkern, Rassen, Landschaften und Gebräuchen. Ich entschuldige mich gern bei allen Christen, die sich nun auf den Fuß getreten fühlen. Aber ich persönlich entwickle beim Lesen von Herr der Ringe (oder beim Schauen der Filme) ganz ähnliche Gefühle, als damals beim Lesen der Bibel.

Die Bibel hatte eine gewisse Romantik. Ein einfaches Leben mit ein wenig Übersinnlichem. Viele Leute vergöttern Herr der Ringe. Ähnliche Gefühle habe ich (man möge mir verzeihen, wenn ich hier mal meinen Erfahrungshorizont darstelle) bei Star Trek oder Krieg der Sterne. Eine fremde Welt tut sich auf. Je mehr man in diese Filme, Bücher und Geschichten einsteigt, desto mehr Hintergrundwissen entwickelt man. Man lernt eine fremde Welt kennen mit klingenden Namen fremder Orte und menschlichen Rassen, deren Gebräuche so anders sind als unsere. Man wird quasi mit zum Spezialisten über fremde Kulturen, die es zwar nicht gibt, die einem aber sehr reell erscheinen.

Soweit es mich betrifft, konnte ich mich in Teilen der Bibel richtiggehend verlieren. Nicht alles in der Bibel liest sich gut. Es gibt einige Stellen, die wirklich eine harte Nuss sind. Andere dagegen nehmen einen hinein in eine fremde Welt voller Abenteuer. 

5. Fromme Kultur

Als fromme Kultur will ich mal das Drumherum bezeichnen, das zwar eigentlich nicht so wichtig ist, einem aber sehr ans Herz wachsen kann. Dazu gehört das Singen oder Hören von dieser besonderen christlichen Lobpreismusik. Bitte nicht verwechseln mit dem sakralen Liedgut, das Landeskirchen ihren Gottesdienstbesuchern antun. Ich mochte diese Musik sehr. Sie strahlte eine gewisse Art von Frieden und Geborgenheit aus.

Aber auch bestimmte Angewohnheiten, wie zum Beispiel das Tischgebet, gaben mir das Gefühl, Teil einer ganz besonderen Gemeinschaft zu sein. In einem meiner Tagebücher aus der Ausstiegszeit standen ein paar traurige Zeilen darüber, dass ich jetzt wohl nicht mehr mit meiner zukündtigen Familie am Tisch beten kann. Ich schreibe das hier einfach mal, weil es für Außenstehende möglicherweise interessant ist, was einem alles in christlichen Kreisen wichtig sein kann.

6. Kinderfreundlichkeit

In den meisten christlichen Gemeinden gibt es zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen. In meinen Augen sind Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel stärker integriert, als anderswo. Es gibt oft Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und insgesamt - so erschien es zumindest mir - gehören Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel mehr zum Lebensbild, während Eltern auf anderen Veranstaltungen tendenziell eher mit der Frage nach Kinderbetreuung usw. allein gelassen werden.

Wenn ich mir heute ansehe, wie befreundete Familien ständig Babysitter bezahlen müssen, erinnere ich mich oft an früher. Ich habe das Gefühl, dass es in christlichen Gemeinden viel einfacher ist. Irgendwelche Leute machten das kostenlos. Einfach weil sie selbst keine Kinder hatten und sich darüber freuten, mal auf welche aufpassen zu können. Ich war mal in einem Hauskreis, da brauchte man nur mit den Fingern zu schnipsen und mehrere Mädels haben sich fast darum gestritten.

7. Gegenseitige Hilfe

Als ich 1995 nach der Bibelschule nach Wiesbaden zog, boten sich sofort Leute, die mich kaum kannten an, mir beim Umzug zu helfen. Ich musste nicht mal fragen. Auch ich half später anderen Leuten, die ich kaum kannte. Vergleiche ich das mit meinem Umzug 2005 - da war außer Ausreden von meinen neuen guten Freunden nicht viel zu hören. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sich Christen gern gegenseitig halfen.

Sicher, es gab da auch Grenzwertigkeiten. So erwarteten manche von Handwerkern generell Gefälligkeiten, was die wiederrum dazu veranlasste, darauf aufmerksam zu machen, dass sie auch von irgendwas leben müssen.

Aber im Großen und Ganzen half man sich gegenseitig aus und verschenkte auch gern mal alte Möbel oder Kleidungsstücke an diejenigen, die sie brauchen konnten. Im normalen Leben macht man dies auch. Aber in christlichen Gemeinden sind die Bedürfnisse anderer sehr viel klarer formuliert. Man kennt einfach mehr Leute, die altes Zeug brauchen können. Die sind dafür sehr dankbar und bedanken sich dann auch gern mal, indem sie beim Tapezieren oder umziehen helfen, Babysitten oder irgendwas tun, was Sie nicht können.

8. Elitedenken

Ich schreibe diese Zeilen gerade im Urlaub 2009. Habe heute Muße. Stellen Sie sich vor, Sie sind 71 Jahre alt und wohnen in einem kleinen Dorf mit 453 Einwohnern am Ende der Welt in Schweden. Einmal im Jahr wird Ihr Dorf von einem internationalen Tanzcamp heimgesucht. 500 - 1000 Menschen aus aller Welt belagern Ihr Dorf, die Schule, alle möglichen Gelände. Direkt gegenüber ihres Gartenzauns ist quasi das osteuropäische Viertel mit einer Zeltstadt von Leuten aus Russland, Litauen, Polen, Slowenien.

Diesen 71jährigen Mann gibt es wirklich. Er ist gut gelaunt, grüßt alle und wir halten regelmäßig Smalltalk. Niemand zertrampelt seinen Garten, wirft Müll hinein oder strullert gegen seinen Zaun. Ich selbst habe in früheren Jahren in Gemeinschaftsunterkünften mit über 50 Leuten in einer Turnhalle übernachtet. Überall liegen Videokameras, Handys oder Laptops herum. Niemand klaut etwas. Du wirst mir Recht geben, dass das ungewöhnlich ist. Ist es auch. Und es funktioniert glücklicherweise unter Nicht-Christen.

Während meiner christlichen Zeit hatten wir Christen die Ehrlichkeit gepachtet. Auch dort habe ich ähnliches erlebt. Ich war damals der Meinung, dies sei eine Besonderheit der Christen. Ganz offensichtlich ist es das nicht. Inzwischen habe ich auch Beziehungen zu einigen Seglern. Auch dort gibt es ähnlich ungewöhnliche Camps wenn eine Regatta stattfindet. Christen glauben, dass diese Art von Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit eine besondere Eigenart von Christen sei. Dies ist nur bedingt richtig. Aber sie glauben es und sie gefallen sich in dieser Rolle.

9. Wissen und Erfahrung

Dieser Punkt ist eigentlich eher etwas unchristlich. Wer längere Zeit Christ ist, hat ein gewisses Wissen und eine gewisse Erfahrung. Christen sind zwar eigentlich keine Angeber - zumindest wollen sie keine sein. Aber etwas zu wissen, das andere nicht wissen, ist immer schon cool gewesen. Und wir erinnern uns: die Bibel ist ein dickes Buch. Da kann man vieles wissen, das andere nicht wissen.

Für besonders hoch halte ich die Ausstiegshürde bei Menschen, die im so genannten vollzeitlichen Dienst sind. Also quasi Profi-Christen wie Pastoren usw. Sie leben nicht nur von ihrem Glauben, sie beziehen daher auch eine Menge ihres Selbstbewusstseins. In meinem Abschnitt über Bücher und Veröffentlichungen ziehe ich ein wenig über diesen Herrn hier her, mit seinen Äußerungen zur Irrtumslosigkeit der Bibel. Von meinem Stammpunkt aus, muss ich ihn hier vorführen, weil das was er schreibt, so nicht stehengelassen werden kann. Rein menschlich habe ich ein gewisses Verstänsnis für ihn. Was soll er sonst tun? Mit seinem Doktortitel und seiner theologischen Ausbildung kann er ja jetzt schlecht hingehen und sagen: Oh, ich hab mich wohl geirrt. Die Bibel ist doch nicht irrtumslos. Damit steht und fällt nicht nur sein Glaube, sondern sein komplettes Lebenskonzept. Er könnte sich im Prinzip einen neuen Job suchen und ebenso neue Freunde. Denn alle Leute, die ihn bisher ernst genommen hätten, würden ihn  wahrscheinlich nicht mehr beachten.

Nun war ich ja auch mal auf dem Weg in den vollzeitlichen Dienst. Ich hatte zwar die Bibelschule nach zwei Jahren abgebrochen. Aber dafür hatte ich gute Gründe und mein Ziel war es immer, die restlichen zwei Jahre später nachzuholen. Im letzten halben Jahr vor meinem Ausstieg - so ab Mitte 1997 - häuften sich die Diskussionen in meinem Tagebuch zum Thema Ausstieg.

Ich hatte sehr große Freude an der griechischen Sprache. Mein Griechnisch hatte ich ständig trainiert und wegen den Diskussionen mit den Zeugen Jehovas ganze Kapitel übersetzt. Viele Texte konnte ich im Kopf schon fast simultan übersetzen. Hebräisch fand ich schwierig, aber ich konnte mir bei einfachen Fragen helfen. Zum Beispiel schauen, was genau Worte im Grundtext bedeuteten. Ich konnte über 250 Bibelverse auswendig, davon einige sogar in den Griechisch oder Hebräisch und ich konnte vielen Leuten Antworten auf viele gängige theologischen Fragen geben.

Kurz gesagt: ich war jemand. Leute fragten mich, wenn sie einen Text nicht verstanden. Leute diskutierten mit mir ihre theologischen Fragen. Leute bezogen mich in Lebensentscheidungen ein. Ich war kein Pastor, ich war kein Jugendleiter. Aber ich war jemand, den man sehr ernst nahm. Wenn ich etwas sagte, machte das Sinn und brachte die Gruppe weiter. Ich kannte geschichtliche Hintergründe, ich kannte sprachgeschichtliche Besonderheiten, ich kannte Nebenbedeutungen der Worte, ich wusste, in welchen Situationen bestimmte Bücher oder Briefe geschrieben wurden oder auch wie bestimmte Reisen verliefen und wie man mit dem Bibelatlas arbeitete.

Um es ganz kurz zu machen: ich war furchtbar cool. Natürlich zeigte ich das nicht. Nach außen hin versuchte ich nicht angeberisch zu sein. Wahrscheinlich war ich es auch nicht. Aber diese Anerkennung tat mir sehr gut. Als ich nun plötzlich vor der Entscheidung stand, meinen Glauben aufzugeben, ging es nicht nur um meinen Glauben. Es ging um viel mehr. Was ist mit den vielen Stunden Griechisch? Was mit Hebräisch? Was mit den 250 Bibelversen, dem ganzen theologischen Wissen? Was ist überhaupt mit der Bibel? Ich liebte die Bibel - allein schon in diesem dicken Buch zu blättern und darin irgendwie zuhause zu sein. Ich hatte viele schlaflose Nächte deswegen. Sollte ich wirklich alles hinwerfen, wofür ich die letzten Jahr gelebt hatte?

Ich weiß nicht, ob sich das irgendjemand vorstellen kann: aber das aufzugeben, was die ganzen letzten Jahre die Hauptantriebskraft im Leben war, ist eine unendlich schwere Entscheidung. Ich kam mir vor wie ein Top-Manager, der sein ganzes Geld verspielte und plötzlich als Bettler an der Straße saß. Unter Nicht-Christen galt mein ganzes Griechisch, mein Hebräisch und mein Bibelwissen nichts mehr. Keine Sau interessierte sich mehr dafür. Eigentlich wurde dieses Wissen sogar verachtet.

Ich gab das alles nach einem halbjährigen Kampf auf, weil ich in der Wahrheit leben wollte. Die meisten haben diese Kraft nicht. Je nachdem, wie tief dein Freund in seiner Religion drinsteckt, solltest du von diesem Kampf wissen. Es geht nicht um Argumente. Es geht auch nicht ums Recht. Für einen wirklich gläubigen Christen geht es bei der Frage um Gott um sein Leben.


30.11.-0001 00:00

Was haben Christen, das wir nicht haben?

Als Nicht-Christ hat man wenig Einblicke in das Gemeindeleben. Also hier ein paar Worte dazu, was Ihr Freund dort findet und was ihm wichtig sein könnte.

1. Gemeindeleiter und Pastoren sind Vertrauenspersonen

Wenn jemand eine christliche Gemeinde besucht, hat er dort meistens Vorbilder. Das können Jugendleiter, Pastoren oder Älteste sein. Diesen Menschen vertraut er. Viele sind dieses Vertrauens auch würdig, denn sie glauben selbst das, was sie verkündigen und leben es auch. Es kann sein, dass Ihr Freund dort eine Art von Zuneigung oder ein Wertesystem vermittelt bekommt, das er von zuhause nicht kennt, das ihm aber viel bedeutet. Entschiedene Christen sind ehrliche Menschen (meistens) und dies macht Eindruck.

In unserer Bibelschule beispielsweise schrieben wir Klausuren ohne Aufsicht. Lösen Sie sich von dem Gedanken, dass man die Bibelschulzeit auf einer Arschbacke absitzt. Griechisch, Hebräisch, Englisch, Systhematische Theologie, Kirchengeschichte - ohne Ende Zeug zum Auswendiglernen. Ich hab noch nie so sehr gebüffelt, wie dort.

Ein Lehrer verlas nach jedem Test offen die richtigen Antworten, dann ermittelte jeder Schüler selbst seine Punktzahl, schrieb seine Note auf den Test und gab ihn ab. Und wenn dieser Test schlecht war, gab man sich 0 Punkte und eine sechs.

Als das erste Mal ein Lehrer die Klausuren austeilte, auf das Telefon deutete mit den Worten Wenns Fragen gibt, erreichen Sie mich auf der 33 und den Prüfungsraum verließ, schauten wir uns alle verdutzt an. Die Botschaft war aber klar: Wir glauben an einen lebendigen Gott, der alles sieht. Wer hier abschreibt, hat überhaupt nicht begriffen, worum es geht und gehört nicht hierher. Und so schrieben wir gute oder schlechte Noten, ganz ohne Aufsicht und ganz ohne abzuschreiben.

Eine Mitschülerin aus einem höheren Jahrgang erzählte mir damals, dass sie mal geschummelt hat. Dann konnte sie nachts nicht schlafen und unterrichtete den entsprechenden Lehrer. Daraufhin bekam sie eine sechs und die Sache war erledigt. Keine Vorwürfe, kein späteres Misstrauen. Sechs und vergessen. So funktioniert christlicher Umgang miteinander. Sollte zumindest.

Das mag für Sie absolut schwachsinnig klingen. Aber es war genauso. Es war immer so. Und es ist bis heute das, was mich an diesem Glauben zutiefst fasziniert: die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit. Man erlebt ein Stück heile und perfekte Welt. Darauf war ich sehr stolz und Ihr Freund wird darauf auch sehr stolz sein. Rechnen Sie damit, dass Ihr Freund in seiner Gemeinde Dinge findet, die die normale Welt nicht kennt und die auch Sie ihm nicht bieten können oder wollen.

Aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zu seinen Vorbild-Personen, wird es ihm sehr schwerfallen, die Meinung seiner Vorbilder anzuzweifeln. Insbesondere, wenn er sich in der Bibel nicht besonders gut auskennt. Er wird dann eher die Meinung seiner Vorbilder übernehmen.

Vielleicht noch ein kurzes persönliches Wort. Der eine oder andere wird auf dieser Seite nun evtl. den Namen meiner Bibelschule suchen. Sparen Sie sich die Zeit. Ich bin mit meinen Lehrern zwar so ziemlich in allen Punkten unterschiedlicher Ansicht. Aber ich schätze diese Menschen bis heute. Auch wenn ich es wichtig finde, diese Seite ins Netz zu stellen, möchte ich sie hier nicht vorführen. Beziehungen zwischen Christen können sehr tief sein. Mir bedeuten meine Lehrer von früher auch heute noch etwas, auch wenn ich ihren Glauben nicht mehr teile.

 

2. Hauskreise

In einer Gemeinde geht man normalerweise nicht nur zum Gottesdienst. Es gibt zusätzlich noch Bibel- oder Hauskreise. Wir trafen uns früher einmal pro Woche in einer lockeren Gruppe von vielleicht 5-10 Leuten. Dort tranken wir Tee, aßen Kekse, sangen fromme Liedchen, lasen ein bißchen der Bibel (meistens hatte einer ein Thema vorbereitet) und diskutierten darüber. Außerdem erzählten wir dort, wie es uns ging, was uns wichtig ist und wir beteten zusammen dafür.

Erst nach meiner christlichen Zeit stellte ich fest, dass die meisten Selbsthilfegruppen genauso funktionieren. Man trifft sich, unterhält sich über seine Probleme, trifft vor und mit anderen Entscheidungen und hat das Gefühl, nicht alleingelassen zu sein. In einem guten Hauskreis entstehen feste Freundschaften und die Mitglieder fühlen sich sehr verbunden. Wo sonst sitzen Menschen einmal pro Woche zusammen und unterhalten sich einfach mal über Gott und sich selbst?

3. Gott

Christen glauben an einen ewigen Gott und an das ewige Leben. Man spricht mit seinem Gott. Dieser Gott nimmt im Lauf des Christenlebens eine immer wichtige Rolle ein. Bei mir wurde es zunächst normal, mit Gott zu sprechen. Später wurde es zur Gewohnheit, dann fast zu sowas wie einer Sucht. Ein Leben ohne Gott kam mir unendlich leer vor. Allein der Gedanke, mich von diesem Gott, der ja fast schon mein Freund war zu lösen, war für mich damals nur schwer erträglich.

4. Die Bibel

Kennst du das Buch Herr der Ringe? Ein dickes Buch mit vielen unbekannten Völkern, Rassen, Landschaften und Gebräuchen. Ich entschuldige mich gern bei allen Christen, die sich nun auf den Fuß getreten fühlen. Aber ich persönlich entwickle beim Lesen von Herr der Ringe (oder beim Schauen der Filme) ganz ähnliche Gefühle, als damals beim Lesen der Bibel.

Die Bibel hatte eine gewisse Romantik. Ein einfaches Leben mit ein wenig Übersinnlichem. Viele Leute vergöttern Herr der Ringe. Ähnliche Gefühle habe ich (man möge mir verzeihen, wenn ich hier mal meinen Erfahrungshorizont darstelle) bei Star Trek oder Krieg der Sterne. Eine fremde Welt tut sich auf. Je mehr man in diese Filme, Bücher und Geschichten einsteigt, desto mehr Hintergrundwissen entwickelt man. Man lernt eine fremde Welt kennen mit klingenden Namen fremder Orte und menschlichen Rassen, deren Gebräuche so anders sind als unsere. Man wird quasi mit zum Spezialisten über fremde Kulturen, die es zwar nicht gibt, die einem aber sehr reell erscheinen.

Soweit es mich betrifft, konnte ich mich in Teilen der Bibel richtiggehend verlieren. Nicht alles in der Bibel liest sich gut. Es gibt einige Stellen, die wirklich eine harte Nuss sind. Andere dagegen nehmen einen hinein in eine fremde Welt voller Abenteuer. 

5. Fromme Kultur

Als fromme Kultur will ich mal das Drumherum bezeichnen, das zwar eigentlich nicht so wichtig ist, einem aber sehr ans Herz wachsen kann. Dazu gehört das Singen oder Hören von dieser besonderen christlichen Lobpreismusik. Bitte nicht verwechseln mit dem sakralen Liedgut, das Landeskirchen ihren Gottesdienstbesuchern antun. Ich mochte diese Musik sehr. Sie strahlte eine gewisse Art von Frieden und Geborgenheit aus.

Aber auch bestimmte Angewohnheiten, wie zum Beispiel das Tischgebet, gaben mir das Gefühl, Teil einer ganz besonderen Gemeinschaft zu sein. In einem meiner Tagebücher aus der Ausstiegszeit standen ein paar traurige Zeilen darüber, dass ich jetzt wohl nicht mehr mit meiner zukündtigen Familie am Tisch beten kann. Ich schreibe das hier einfach mal, weil es für Außenstehende möglicherweise interessant ist, was einem alles in christlichen Kreisen wichtig sein kann.

6. Kinderfreundlichkeit

In den meisten christlichen Gemeinden gibt es zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen. In meinen Augen sind Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel stärker integriert, als anderswo. Es gibt oft Möglichkeiten zur Kinderbetreuung und insgesamt - so erschien es zumindest mir - gehören Kinder bei christlichen Veranstaltungen sehr viel mehr zum Lebensbild, während Eltern auf anderen Veranstaltungen tendenziell eher mit der Frage nach Kinderbetreuung usw. allein gelassen werden.

Wenn ich mir heute ansehe, wie befreundete Familien ständig Babysitter bezahlen müssen, erinnere ich mich oft an früher. Ich habe das Gefühl, dass es in christlichen Gemeinden viel einfacher ist. Irgendwelche Leute machten das kostenlos. Einfach weil sie selbst keine Kinder hatten und sich darüber freuten, mal auf welche aufpassen zu können. Ich war mal in einem Hauskreis, da brauchte man nur mit den Fingern zu schnipsen und mehrere Mädels haben sich fast darum gestritten.

7. Gegenseitige Hilfe

Als ich 1995 nach der Bibelschule nach Wiesbaden zog, boten sich sofort Leute, die mich kaum kannten an, mir beim Umzug zu helfen. Ich musste nicht mal fragen. Auch ich half später anderen Leuten, die ich kaum kannte. Vergleiche ich das mit meinem Umzug 2005 - da war außer Ausreden von meinen neuen guten Freunden nicht viel zu hören. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass sich Christen gern gegenseitig halfen.

Sicher, es gab da auch Grenzwertigkeiten. So erwarteten manche von Handwerkern generell Gefälligkeiten, was die wiederrum dazu veranlasste, darauf aufmerksam zu machen, dass sie auch von irgendwas leben müssen.

Aber im Großen und Ganzen half man sich gegenseitig aus und verschenkte auch gern mal alte Möbel oder Kleidungsstücke an diejenigen, die sie brauchen konnten. Im normalen Leben macht man dies auch. Aber in christlichen Gemeinden sind die Bedürfnisse anderer sehr viel klarer formuliert. Man kennt einfach mehr Leute, die altes Zeug brauchen können. Die sind dafür sehr dankbar und bedanken sich dann auch gern mal, indem sie beim Tapezieren oder umziehen helfen, Babysitten oder irgendwas tun, was Sie nicht können.

8. Elitedenken

Ich schreibe diese Zeilen gerade im Urlaub 2009. Habe heute Muße. Stellen Sie sich vor, Sie sind 71 Jahre alt und wohnen in einem kleinen Dorf mit 453 Einwohnern am Ende der Welt in Schweden. Einmal im Jahr wird Ihr Dorf von einem internationalen Tanzcamp heimgesucht. 500 - 1000 Menschen aus aller Welt belagern Ihr Dorf, die Schule, alle möglichen Gelände. Direkt gegenüber ihres Gartenzauns ist quasi das osteuropäische Viertel mit einer Zeltstadt von Leuten aus Russland, Litauen, Polen, Slowenien.

Diesen 71jährigen Mann gibt es wirklich. Er ist gut gelaunt, grüßt alle und wir halten regelmäßig Smalltalk. Niemand zertrampelt seinen Garten, wirft Müll hinein oder strullert gegen seinen Zaun. Ich selbst habe in früheren Jahren in Gemeinschaftsunterkünften mit über 50 Leuten in einer Turnhalle übernachtet. Überall liegen Videokameras, Handys oder Laptops herum. Niemand klaut etwas. Du wirst mir Recht geben, dass das ungewöhnlich ist. Ist es auch. Und es funktioniert glücklicherweise unter Nicht-Christen.

Während meiner christlichen Zeit hatten wir Christen die Ehrlichkeit gepachtet. Auch dort habe ich ähnliches erlebt. Ich war damals der Meinung, dies sei eine Besonderheit der Christen. Ganz offensichtlich ist es das nicht. Inzwischen habe ich auch Beziehungen zu einigen Seglern. Auch dort gibt es ähnlich ungewöhnliche Camps wenn eine Regatta stattfindet. Christen glauben, dass diese Art von Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit eine besondere Eigenart von Christen sei. Dies ist nur bedingt richtig. Aber sie glauben es und sie gefallen sich in dieser Rolle.

9. Wissen und Erfahrung

Dieser Punkt ist eigentlich eher etwas unchristlich. Wer längere Zeit Christ ist, hat ein gewisses Wissen und eine gewisse Erfahrung. Christen sind zwar eigentlich keine Angeber - zumindest wollen sie keine sein. Aber etwas zu wissen, das andere nicht wissen, ist immer schon cool gewesen. Und wir erinnern uns: die Bibel ist ein dickes Buch. Da kann man vieles wissen, das andere nicht wissen.

Für besonders hoch halte ich die Ausstiegshürde bei Menschen, die im so genannten vollzeitlichen Dienst sind. Also quasi Profi-Christen wie Pastoren usw. Sie leben nicht nur von ihrem Glauben, sie beziehen daher auch eine Menge ihres Selbstbewusstseins. In meinem Abschnitt über Bücher und Veröffentlichungen ziehe ich ein wenig über diesen Herrn hier her, mit seinen Äußerungen zur Irrtumslosigkeit der Bibel. Von meinem Stammpunkt aus, muss ich ihn hier vorführen, weil das was er schreibt, so nicht stehengelassen werden kann. Rein menschlich habe ich ein gewisses Verstänsnis für ihn. Was soll er sonst tun? Mit seinem Doktortitel und seiner theologischen Ausbildung kann er ja jetzt schlecht hingehen und sagen: Oh, ich hab mich wohl geirrt. Die Bibel ist doch nicht irrtumslos. Damit steht und fällt nicht nur sein Glaube, sondern sein komplettes Lebenskonzept. Er könnte sich im Prinzip einen neuen Job suchen und ebenso neue Freunde. Denn alle Leute, die ihn bisher ernst genommen hätten, würden ihn  wahrscheinlich nicht mehr beachten.

Nun war ich ja auch mal auf dem Weg in den vollzeitlichen Dienst. Ich hatte zwar die Bibelschule nach zwei Jahren abgebrochen. Aber dafür hatte ich gute Gründe und mein Ziel war es immer, die restlichen zwei Jahre später nachzuholen. Im letzten halben Jahr vor meinem Ausstieg - so ab Mitte 1997 - häuften sich die Diskussionen in meinem Tagebuch zum Thema Ausstieg.

Ich hatte sehr große Freude an der griechischen Sprache. Mein Griechnisch hatte ich ständig trainiert und wegen den Diskussionen mit den Zeugen Jehovas ganze Kapitel übersetzt. Viele Texte konnte ich im Kopf schon fast simultan übersetzen. Hebräisch fand ich schwierig, aber ich konnte mir bei einfachen Fragen helfen. Zum Beispiel schauen, was genau Worte im Grundtext bedeuteten. Ich konnte über 250 Bibelverse auswendig, davon einige sogar in den Griechisch oder Hebräisch und ich konnte vielen Leuten Antworten auf viele gängige theologischen Fragen geben.

Kurz gesagt: ich war jemand. Leute fragten mich, wenn sie einen Text nicht verstanden. Leute diskutierten mit mir ihre theologischen Fragen. Leute bezogen mich in Lebensentscheidungen ein. Ich war kein Pastor, ich war kein Jugendleiter. Aber ich war jemand, den man sehr ernst nahm. Wenn ich etwas sagte, machte das Sinn und brachte die Gruppe weiter. Ich kannte geschichtliche Hintergründe, ich kannte sprachgeschichtliche Besonderheiten, ich kannte Nebenbedeutungen der Worte, ich wusste, in welchen Situationen bestimmte Bücher oder Briefe geschrieben wurden oder auch wie bestimmte Reisen verliefen und wie man mit dem Bibelatlas arbeitete.

Um es ganz kurz zu machen: ich war furchtbar cool. Natürlich zeigte ich das nicht. Nach außen hin versuchte ich nicht angeberisch zu sein. Wahrscheinlich war ich es auch nicht. Aber diese Anerkennung tat mir sehr gut. Als ich nun plötzlich vor der Entscheidung stand, meinen Glauben aufzugeben, ging es nicht nur um meinen Glauben. Es ging um viel mehr. Was ist mit den vielen Stunden Griechisch? Was mit Hebräisch? Was mit den 250 Bibelversen, dem ganzen theologischen Wissen? Was ist überhaupt mit der Bibel? Ich liebte die Bibel - allein schon in diesem dicken Buch zu blättern und darin irgendwie zuhause zu sein. Ich hatte viele schlaflose Nächte deswegen. Sollte ich wirklich alles hinwerfen, wofür ich die letzten Jahr gelebt hatte?

Ich weiß nicht, ob sich das irgendjemand vorstellen kann: aber das aufzugeben, was die ganzen letzten Jahre die Hauptantriebskraft im Leben war, ist eine unendlich schwere Entscheidung. Ich kam mir vor wie ein Top-Manager, der sein ganzes Geld verspielte und plötzlich als Bettler an der Straße saß. Unter Nicht-Christen galt mein ganzes Griechisch, mein Hebräisch und mein Bibelwissen nichts mehr. Keine Sau interessierte sich mehr dafür. Eigentlich wurde dieses Wissen sogar verachtet.

Ich gab das alles nach einem halbjährigen Kampf auf, weil ich in der Wahrheit leben wollte. Die meisten haben diese Kraft nicht. Je nachdem, wie tief dein Freund in seiner Religion drinsteckt, solltest du von diesem Kampf wissen. Es geht nicht um Argumente. Es geht auch nicht ums Recht. Für einen wirklich gläubigen Christen geht es bei der Frage um Gott um sein Leben.


30.11.-0001 00:00

Was bewegt Christen zum Ausstieg?

Wir haben im letzten Abschnitt über viele positive Dinge des christlichen Glaubens gesprochen, aber...

Das Positive an christlichen Gemeinden kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Denn bei aller Wichigkeit, die man Gott und der Bibel gibt, stehen Menschen dahinter. Und was ich oben gerade so romatisch ausgemalt habe, kann plötzlich kippen. Sei es durch neue Gemeindemitglieder, sei es durch Wohnortwechsel, Pastorenwechsel oder was auch immer.

In konservativen christlichen Gemeinden herrschen tendenziell auch sehr konservative Wertvorstellungen. Man ist gegen Sex vor der Ehe oder Homosexualität und gegen Wiederheirat nach Scheidungen. In einigen Gemeinden schließt man Mitglieder aus, die eine Liebesbeziehung zu einem Nicht-Christen pflegen.

Je nach Gemeindeform hat die Frau mehr oder weniger zu sagen, darf manchmal keine Hosen anziehen oder muss beim Beten ein Kopftuch tragen. Einige Eltern sind der Meinung, dass ihre Kinder sie gefälligst ehren müssen. Manche Väter fordern für sich besondere Rechte als Haupt der Familie ein. Andere verteufeln Alkohol, Zigartten oder sogar das Fernsehen. Dazu gibt es jede Menge mehr oder weniger nachvollziehbare biblische Begründungen.

Du siehst: es gibt auch einen Gegenpol zur leuchtenden perfekten christlichen Welt. Kinder aus solchen stressigen Elternhäusern zeigen sich darum manchmal unbeeindruckt gegenüber den christlichen Vorzügen und wirken gelegentlich etwas rebellisch.

Manchmal gibt es Konflikte zwischen Älteren und Jüngeren - und sei es nur wegen der Gottesdienstgestaltung (Welche Lieder singen wir? Darf eine Band spielen? Wenn ja, wie laut?) Gelegentlich sind Jugendliche den Älteren auch etwas zu jugendlich und es wird versucht irgendwie gegenzusteuern, um eine gefühlte Moral wieder aufzurichten.

Und schließlich muss man noch erwähnen, dass es nicht die bibeltreue christliche Glaubensrichtung gibt. Zahlreiche Konfessionen ringen um die korrekte Auslegung von Gottes Wort. Ob Kindertaufe, Frau in der Gemeinde, Sex oder auch abstraktere Themen wie Geistesgaben oder tausendjähriges Reich - einige Christen finden immer etwas, um sich zu streiten. Einigkeit, dass man ja doch irgendwie im Kern das gleiche glaubt und nur in untergeordneten Themen verschiedener Meinung ist, besteht eigentlich nur gegenüber Außenstehenden. Und manchmal auch nicht gegenüber denen. Es gibt mitunter unüberwindliche Spaltungen in christlichen Gemeinden. Wer immer brav in seiner Bucht des rechten Glaubens schwimmt, wird das nicht feststellen. Wer sich aber mal etwas über den Tellerrand hinaustraut, dem werden die Wogen der unterschiedlichen Konfessionen schnell hart ins Gesicht schlagen. Auch das erträgt nicht jeder auf Dauer.

Außerdem finden sich in christlichen Gemeinden meistens auch einige im Leben gescheiterte Personen. Seien es ehemalige Trinker oder Drogensüchtige oder einfach Menschen, die es nicht leicht im Leben hatten oder krank sind. Eine frühere Hauskreisleiterin von mir ging auf eine Teilzeitstelle zurück, weil sie (kostenlos) half, einen Alzheimerkranken zu pflegen. Das ist sicher sehr ehrenwert, aber man kann sich vorstellen, dass man damit auch sehr schnell an seine persönlichen Grenzen kommt.

1992 leitete ich einen Jugendkreis. Meine damalige Freundin und ich freuten uns zunächst, als eine 15jährige aus unserem Jugenskreis mich besuchen kam. Zeigte dies doch ein gewisses Vertrauensverhältnis, das wir zu den Kids aufbauen konnten. Am nächsten Abend kam sie wieder. Und am darauffolgenden auch. Schnell stellten wir fest, dass wir als Ersatzeltern nicht geeignet waren. Auch später kam ich immer wieder in die Situation, dass Leute, denen ich eigentlich gern helfen wollte, mich quasi aussaugten. Man ist dann schneller ausgebrannt als man denkt und entwickelt zunächst Aggressionen und weil einem die ja als Christ nicht stehen später Depressionen. Ich sah mich hier öfter in einem großen Spannungsfeld zwischen Nächstenliebe und Selbstschutz und bin später einem gewissen Klientel an Menschen gleich von Anfang an aus dem Weg gegangen. Natürlich mit schlechtem Gewissen.

Durch die enge Verkettung von Moralvorstellungen verbunden mit der Tendenz, viel mehr übereinander zu wissen, als andere dies gewöhnlich tun, kann ein großer Druck entstehen. Ich hatte Freunde, die wegen Selbstbefriedigung Schuldgefühle hatten und mit mir beten wollten. Man mag sich nur mal die Peinlichkeit einer solchen Situation vorstellen und den Druck, unter dem diese Menschen stehen, wenn Sie glauben, sich damit jemandem anvertrauen zu müssen.

Einigen Leuten ist das fromme Leben aber einfach auch zu schmalzig. Ihnen geht das fromme Getue von Frieden und Liebe eher auf die Nerven. Eine Englängerin aus meinem Hauskreis zeigte mal auf ein Liederbuch von mir mit dem Titel Times Of Refreshing. Sie meinte zu mir, wir Deutschen könnten das nur ertragen, weil Englisch nicht unsere Muttersprache sei. Gut - die deutschen Texte waren auch nicht besser. Wir sangen sie trotzdem. Wenn die Musik schön ist, erträgt man auch die Texte. Wenn ich sie heute lese, muss ich allerdings manchmal schlucken.

Wenn ich es auf den Punkt bringen müsste, warum Leute christlichen Gemeinden den Rücken kehren, dann wäre es zum ersten Konflikte in der Gemeinde, zum zweiten die Moralvorstellungen, die man einfach nicht mehr ertragen will. Zum dritten möglicherweise ein Wohnortwechsel, nachdem man einfach keine neue Gemeinde finden kann, in der man Fuß fasst. Danach vielleicht einfach eine Art ich-hab-jetzt-die-Nase-voll-von-dem-ganzen-frommen-Scheiß-​Gefühl. Und - auch wenn es eigentlich die Basis sein sollte - erst als letztes kommen die Glaubensbasics, die ich hier auf dieser Webseite hinterfrage.


30.11.-0001 00:00

Wer seine Religion aufgibt, verliert viel

Ein Ausstiegswilliger verbrachte bisher sehr viel Zeit in seiner Gemeinde. Mit dem Ausstieg verliert er nicht nur seinen Glauben, sondern auch einige Freunde und einen Teil seiner Freizeitbeschäftigung und Identität. Ich machte damals in der Gemeinde Musik, spielte Theater, hielt Bibelkreise und war jemand, den man um Rat fragte. Mit einem auf den anderen Tag, war dies alles weg. Viele Freunde blieben mir erhalten. Aber über was unterhalten sich wohl gläubige Freunde? Natürlich über den Glauben. Und so wird dein ausstiegswilliger Freund nach seinem Ausstieg nicht mehr mitreden können. Die Kontakte schlafen ein oder werden für beide Seiten kompliziert - bis auf wenige Ausnahmen. Diskussionen sind an der Tagesordnung, die eigentlich beide Seiten nicht wollen, die sich aber einfach so ergeben und ebenso fruchtlos wie nervig sind.

Du wirst also nicht mehr tun können, als zuzusehen. Soweit es christliche Gemeinden betrifft, habe ich sicher einige sehr fragwürdige Dinge erlebt. Allerdings sind christliche Gemeinden keine Psychosekten, deren Mitglieder sich irgendwann kollektiv das Leben nehmen. Man kann in einer christlichen Gemeinde auch sehr glücklich sein. Ich war das auch - streckenweise :-)

Begib dich auf Warteposition und versuche deinen Freund zu verstehen. Jeder hat das Recht, seine eigenen Fehler zu machen. Ich lasse am bibeltreuen Christentum kein gutes Wort, wenn es um dessen Wahrheitsgehalt geht. Aber ich möchte zum Ende dieses Abschnitts auch klarstellen, dass es in einigen christlichen Gemeinden Dinge gibt, die ich bewundere, die ich toll finde, die mir fehlen und bei denen sich unsere Gesellschaft ein großes Stück abschneiden könnte. Nicht alles, was aus Unwahrheit entsteht, muss deswegen schlecht sein.


30.11.-0001 00:00

Gespräche über Ausstiegsgründe

Vor einigen Jahren traf ich bei einem Ehemaligentreffen meiner Bibelschule einen ehemaligen Mitschüler. Wie schön :-)

Er befragte mich über die Gründe meines Ausstiges aus dem christlichen Glauben. Dann war ich dran und erklärte ihm alles so gut ich konnte. Nach einigen Minuten machte ich eine Pause. Darauf stellte er eine Frage: Haben dich Menschen frustriert? Genau an diesem Punkt wusste ich, dass er mir überhaupt nicht zugehört hatte.

Die Idee zu dieser Unterseite hier kam, als ich letztens mit einem alten (christlichen) Freund zusammensaß. Meistens sparen wir inzwischen den Glauben aus unseren Gesprächen aus. Doch diesmal war wieder einer dieser Tage, an denen alles anders ist. Und es passierte genau das, was dann immer passiert: Wie Colombo begann er Fragen zu stellen. Ich habe unzählige solcher unsinnigen Gespräche geführt. Ich habe mich sogar verleiten lassen, mich in einem christlichen Forum in eine solche Diskussion verwickeln zu lassen. Noch nie kam etwas fruchtbares dabei heraus.

Argumentationsschach mit dem Fragen-Springer

Alle folgenden Fragen wirken durchaus berechtigt. Gehen wir aber mal auf die Intention des Fragestellers ein. Die Fragen sind nämlich allesamt Fangfragen. Man kann sie gar nicht richtig beantworten. Im Gegenteil. Man erzählt, erklärt, diskutiert und kommt unweigerlich mit einer Formulierung, die die nächste dieser Fragen zulässt.

Ich habe mich auf unzählige solcher Diskussionen eingelassen. Es ist, als ob man in einem riesengroßen Kreis schwimmt. Keiner von beiden kommt weiter.

Der Nicht-Mehr-Christ erzählt aus seinem Leben. Der Christ hört zu und stellt irgendwann eine Frage, die ihm - wie bei einem Schachspiel - gerade passend erscheint. Warum passend? Weil der Aussteiger-Christ gerade einen neuen Ansatzpunkt offengelegt hat.

Die Frage gibt dem Aussteiger wieder Redestoff und er redet und redet, während der Christ fragt und fragt. Am Ende kommt sich der Aussteiger schuldig vor, weil er die ganze Zeit nur in der Defensive war. Es ist wie beim Tennisspielen gegen die Ballmaschine. Gelegentlich unterhaltsam, etwas lehrreich, aber völlig sinnlos.

Christen und Aussteiger stehen, was den Glauben betrifft, auf zwei verschiedenen Seiten eines Abgrundes. Sie finden nicht mehr zueinander. Das ist meine Erfahrung.

Mein Tipp: solche Gespräche vermeiden. Sie führen nirgendwo hin.

Typische Fragen von Christen an Aussteiger

Das soll mal reichen.

Mein Tipp an alle Nicht-Mehr-Christen

Lasst euch nicht verunsichern von dieser Art der Fragestellung. Kein Mensch war jemals perfekt und auch ihr seid es nicht. Natürlich habt ihr Fehler gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass ihr euch jetzt einer solchen Fragestunde aussetzen müsst, deren einziges Ziel es ist, einen kleinen dunklen Fleck in eurem Leben zu finden, um den dann zum schwarzen Meer aufzublasen.

Wenn ihr Fragen beantwortet, bleibt fair, aber sorgt auch dafür, dass eure Gesprächspartner fair bleiben. Ihr seid keine schlechteren Menschen, nur weil ihr nicht mehr an Jesus Christus glaubt.

Lasst allerdings alle Versuche stecken, euer Gegenüber zu überzeugen. Oder hätte man euch ein Jahr vor eurem Ausstieg mit Argumenten davon überzeugen können, dass euer Glaube nicht wahr ist? Erwartet also von eurem Gegenüber kein Verhalten, das ihr früher selbst nicht gezeigt hättet.

Suggestivfragen von Christen and Nicht-Mehr-Christen

Schauen wir uns mal typische Suggestivfragen von Christen an und analysieren sie zusammen.

Haben dich Menschen frustriert?

Die so einfache Frage: Haben dich Menschen frustriert? ist eine typische Suggestivfrage. Wer eine solche Frage stellt, will doch keine Antwort. Es geht doch hier nur darum, jemandem sein Problem vorzuhalten. In Wirklichkeit wird hier folgendes gesagt:

Lieber Nicht-Mehr-Christ, ich habe mir deinen Vortrag nun angehört und festgestellt, dass du relativ häufig von anderen Menschen gesprochen hast. Du hast aber Gott aus den Augen verloren. Du musst auf Gott schauen, nicht auf Menschen! Das ist dein Problem!

Muss man auf so etwas wirklich antworten? Eigentlich nicht. Wer aussteigt, weiß genau, warum er ausgestiegen ist und welche Rolle Menschen dabei spielten. Dass sich der christliche Glaube um einen Gott und nicht um Menschen dreht, ist jedem klar, der mal Christ war.

Diese Frage kommt häufig, wenn ich vom Willen Gottes und den unterschiedlichen Konfessionen spreche. Zum Beispiel über diesen Gastlehrer an der Klostermühle, der den Toronto-Segen als klar satanisch hinstellte. Immer wenn ich solche Beispiele bringe, von Menschen, die eigentlich gläubig sind, aber andere Christen verurteilen, deren Glaube mir genauso ehrlich vorkommt, fragen mich Christen den Satz: Haben dich Menschen frustriert?

Nein, nicht Menschen. Der hinter diesem Glauben stehende Gott, der seinen Schäfchen nicht mal hilft, die Wahrheit über theologische Zusammenhänge zu erkennen und stattdessen zusieht, wie sie sich gegenseitig vorwerfen, vom Satan besessen zu sein. Peinlich. Echt! Ich habe in meinem Glaubensleben unzählige solcher Stories erlebt und genau deswegen hinterfrage ich diesen Glauben und sage: dieser Gott existiert nicht.

Mit Menschen hat das nichts zu tun, denn Menschen haben keinen Vorteil davon, an Zungenrede zu glauben, den Toronto-Segen, Kinder- oder Erwachsenentaufe und weiß ich, um was sich Christen alles belangloses streiten. Hinter diesen Glaubensrichtungen stehen Menschen, die ihren Gott suchen und ihre Ansicht sicher sofort ändern würden, wenn er mal ein Gebet um Klarheit erhören würde. Tut er aber nicht. Da er es jedoch verheißen hat, bleibt mir nur die Schlussfolgerung: er existiert nicht.

Hast du deinen Glauben ritualisiert?

Auch eine typische Frage, die man gemeinerweise gerade denen stellt, die sich doch in ihrem Leben sichtbar für Gott eingesetzt haben: Jeden Tag Stille Zeit, aha. Hattest du wirklich eine Beziehung zu Gott, oder hast du nur Rituale befolgt?

Bei dieser Frage kann ich persönlich echt an die Decke gehen. Da steht man jahrelang früher auf, betet, hält sein Leben sauber, liest Bibel. Dann kommen irgendwelche oberklugen Typen und stellen alles in Frage im Sinne von:

Lieber NiMeChri, du hast ja toll beschrieben, wie sehr du Bibel gelesen hast und gebetet hast. Aber hattest du wirklich auch eine Beziehung zu Gott? Es kommt doch nicht auf das Bibellesen an, sondern auf Gott. Es ist auch nicht wichtig, dass du krampfhaft jeden Tag Stille Zeit hälst. Die Beziehung zu Gott ist wichtig. Schau dir doch mal an, wie entspannt mein Glaubensleben ist. Du musst nicht jeden Tag früher aufstehen, um Stille Zeit zu halten.

Natürlich muss ich nicht jeden Tag früher aufstehen. Aber ich habe es getan. Und ich habe mich wohl dabei gefühlt und ich habe es für meinen Gott getan. Das letzte, worauf ich nun Lust habe, ist, mich deswegen von jemandem hinterfragen zu lassen, der das nicht tut.

Wie Banane muss man eigentlich sein, damit man so ein Argument zieht?

Hast du nicht damals schon diese Zweifel gehabt?

Auch eine echt fiese Frage: Du hast doch schon immer irgendwie etwas gezweifelt, oder? Dann ist es ja irgendwie, ein Stückweit ja auch kein Wunder, dass es so gekommen ist.

Super. Wer bitte hat noch nie gezweifelt? Jeder Christ zweifelt von Zeit zu Zeit. Selbst Petrus in Matthäus 26. Darum will ich mir das Folgende nicht anhören müssen:

Lieber NiMeChri, ich habe nun verstanden, dass du viele Fragen an die Bibel hast. Und du hast Recht. Es gibt tatsächlich einige merkwürdige Stellen. Aber hast du dich nicht zuviel in deine Zweifel hineingesteigert? Du musst auf Gott sehen. Außerdem hast du doch schon immer Zweifel gehabt. Wahrscheinlich warst du überhaupt niemals wirklich richtig gläubig und hast dir nur etwas vorgemacht.

Was soll man zu so einer Frage noch sagen? Man kann dazu nichts sagen. Sie ist ja auch extra so gestellt, dass man dazu nichts mehr sagen soll. Sie soll überführen und ein Argument in den Raum stellen, dem man nichts entgegensetzen kann. Hierzu passt schön die Elefanten-Geschichte beim Thema Weisheit.

Hast du aus dir heraus gelebt?

Das ist auch prima: Bestimmt hast du nicht aus Gott, sondern aus dir heraus gelebt, oder? Das ist eine typische alles-und-nichts-Formulierung.

Lieber NiMeChri, du hast nun soviel davon geredet, dass du Gott gesucht hast. Aber du musst Gott gar nicht suchen. Er ist immer da. Du musst nur aus ihm heraus leben. Du selbst kannst gar nichts tun. Anstatt dich so sehr anzustrengen, hättest du dich entspannen sollen und vertrauen.

Entspannen und vertrauen. Bestimmt haben das die ersten Christen auch getan, als sie für ihren Glauben hingerichtet wurden. Leute, die diese Frage stellen, würde ich am liebsten mal in ein fremdes Land mit einer militanten anderen Religion beamen und mal schauen, wie lange sie dort entspannt ihrem Gott vertrauen. Ob sie sich wirklich verfolgen und verprügeln lassen würden, denn das passiert auf dieser Welt. Nicht überall herrscht unser Friede-Freude-Eierkuchen-Christentum.

Jeder lebt in meinen Augen ein Stück aus sich heraus. Das macht uns zu Individuen. Es gehört zum Leben dazu. Für mich handelt es sich um eine typische Horoskop-Formulierung: jeder fühlt sich bei dieser Frage angesprochen. Darum sollte man sie einfach abprallen lassen und meine Seiten mit dem Du-musst-machen/Gott-muss-machen-Prinzip lesen.

Warst du wirklich sicher, dass du wiedergeboren bist?

Das ist so ziemlich eine der schwierigsten Fragen, die man gestellt bekommen kann:

Lieber NiMeChri, deine Geschichte macht mich ja wirklich betroffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich ein wiedergeborener Christ warst. Wahrscheinlich hast du dich niemals richtig bekehrt. Wenn du eine richtige Lebensübergabe gemacht hättest, wäre es sicher ganz anders gelaufen.

Na prima. Nun sind wir bei der Henne und dem Ei. Wenn man seinen Glauben verloren hat, kann man tun was man möchte. Es wird einem niemand mehr glauben, dass man mal richtig glaubte.

Man hat als Aussteiger auch gar keine Argumentationsbasis mehr. Alles was man früher mal glaubte, glaubt man heute nicht mehr. Wenn man damals eine Lebensübergabe gesprochen hat, ist die heute genauso sinnlos, als wenn man sich stattdessen den Hammer hätte auf den Fuß fallen lassen. Man hat auch damals bei der Bekehrung kein Zertifikat erhalten: "Ordnungsgemäß bekehrter Christ nach DIN 777 - Jesus geprüft."

Wer seinen Glauben aufgibt, wird niemals beweisen können, dass er es mal ernst gemeint hat. Man kann auch sagen was man will, es wird einem niemals geglaubt werden. Eine Diskussion auf dieser Ebene führt absolut nirgendwohin. Am besten sofort beenden oder das Thema wechseln.

Hast du in Sünde gelebt?

Wenn du Gott nicht näher kommst, hast du bestimmt in Sünde gelebt! Welch eine tolle Schlussfolgerung.

Lieber NiMeChri, gibt es da nicht eine dunkle Ecke in deinem Leben? Hast du vielleicht in Sünde gelebt? Oder hast du in bestimmten Bereichen deines Lebens keine Vergebung angenommen? Dann darfst du dich nicht wundern, wenn die Beziehung zu Gott darunter leidet.

Geil. Das ist alles, was mir dazu einfällt. Was bedeutet denn "in Sünde gelebt"?

Es handelt sich hier um eine sehr dehnbare Formulierung. Und die wird bei Nicht-Mehr-Christen auch sehr gern überdehnt. Plötzlich zählt nämlich schon jedes "kleine" schlechte Gewissen als Sünde. Fast alle Männer und viele Frauen tragen ständig das Päckchen Selbstbefriedigung mit sich herum und wissen nicht, wie sie damit umzugehen haben, weil es nämlich trotz anders lautender Seelsorgermeinung ein ständig schlechtes Gewissen verursacht.

Aber Sünde meint nicht nur sexuelles. Sünde kann so ziemlich alles und nichts sein. Auch eine schlechte Beziehung zu Kollegen oder Eltern. Oder was auch immer. Muss ich mich dazu vor jemandem rechtfertigen, der meine Situation nicht kennt? Nein!

Hast du im Namen Jesu gebetet?

Oh toll, ein Geheimrezept. Du musst im Namen Jesu beten. Gebete im Namen Jesu erhört Gott also mehr als Gebete einfach so. Dazu will ich gar nicht mehr schreiben.

Hast du nichts mit Gott erlebt?

Wenn man die Bibel nicht mehr versteht, fragt man halt nach den Erlebnissen mit Gott.

Lieber NiMeChri, ja du hast Recht. Die Bibel enthält einige Dinge, die auch ich nicht verstehe. Aber wir müssen nicht alles verstehen. Wir glauben doch an einen ewigen und lebendigen Gott. Du hast doch auch etwas mit Gott erlebt, oder? Warum erinnerst du dich daran jetzt nicht?

Das ist so ziemlich die dümmste Argumentation, die ich jemals gehört habe. Blöderweise ist es aber auch die, die einem am meisten nachgeht. Jeder Mensch hat im Lauf seines Leben irgendetwas "mit Gott erlebt".

Aber - und das ist ganz wichtig. Auch andere Religionen erleben etwas mit ihrem Gott. Aber auch esoterische Glaubensrichtungen erleben etwas mit ihrem Glauben. Schon mal mit eingefleischten Astrologen gesprochen? Es ist die Besonderheit jedes Glaubens, dass man damit etwas erlebt. Viele Menschen erleben große Zufälle durch ihren Glauben. Auch Moslems tun das. Aber auch Geisterheiler haben Erfolge.

Ich kann doch nicht einfach irgendeine unerklärliche Situation nehmen und mir damit dann einreden, dass es Gott geben muss. Spätestens wenn andere Glaubensrichtungen, die meiner eigenen Glaubensüberzeugung völlig entgegenstehen das Gleiche tun, muss ich doch misstrauisch werden. Es handelt sich hier um einen typischen Zirkelschluss.

Selbst Jesus hat so etwas gemacht: Einerseits sieht er Wunder als seine Bestätigung als Messias an und andererseits bestätigt er, dass andere auch Wunder tun. Wer auf solche Beweise vertraut, belügt sich selbst.

Wolltest du in sexueller Freiheit leben?

Na klar, daran liegt es. Du wolltest Sex ohne Heiraten, oder?

Ich bin immer wieder verblüfft, wie merkwürdig Christen argumentieren, wenn es um Sex geht.

Lieber NiMeChri, mir ist jetzt alles klar. Du willst One-Night-Stands haben, dich mit Prostituierten einlassen, Pornoheftchen kaufen oder sogar -videos. Du bist für Sex unter Männern und wahrscheinlich auch mit Tieren. Wahrscheinlich stehst du auch auf Kinder. Und du willst auch deine Frau und Kinder verlassen und dir eine jüngere suchen. Das ist alles Sodom und Gomorrha.

Ich habe festgestellt: je braver ein Christ lebt, desto größer ist seine Fantasie, wenn er/sie mit mir über Sex redet.

Ohne hier meine Sex-Kapitel nochmal wiederholen zu wollen. Ich stelle immer wieder klar, dass die Sex-Gebote (kein Sex vor der Ehe, keine Homosexualität, keine Wiederheirat nach Scheidung) nur Sinn machen, wenn dieser Glaube wahr ist und es wirklich einen Gott gibt, der auf diese Gebote Wert legt. Interessanterweise wird mir hier gern das Wort im Mund herumgedreht und ich werde als Sex-Monster dargestellt, das sich Gottes Geboten nicht unterwerfen will.

Wenn es Gott gibt, sind seine Gebote zu halten. Und wenn mich jemand davon überzeugt, halte ich diese Gebote auch. Wenn es diesen Gott allerdings nicht gibt, muss auch mal gesagt werden können, dass diese Gebote mindestens so pervers sind, wie viele Sexpraktiken und dass die Sex-Gebote des christlichen Glaubens - so wie ich ihn erlebt habe - Menschen psychisch krank machen können.

Mit meinem eigenen Sexualleben hat dies alles nichts zu tun, ganz abgesehen davon, dass es auch niemanden etwas angeht.

Warum hörst du nicht mit Bibellesen auf?

Bestimmte Argumentationen machen selbst mich sprachlos. So auch diese hier:

Lieber NiMeChri, wenn du solche Probleme mit Unstimmigkeiten in der Bibel hast. Warum hörst du dann nicht einfach auf mit Bibel lesen?

Gut. Solche Fragen stellen nur Charismaten oder NoNiLaChris (noch-nicht-lange-Christen).

Ob es uns passt oder nicht: der christliche Glaube wird definiert durch die Bibel. Ohne Bibel - kein christlicher Glaube. Ohne Bibel - nur Chaos. Ohne Bibel - glaubt jeder, was er möchte.

Es mag Kirchen wie die evangelische Landeskirche geben, die - so wie ich sie erlebe - eigentlich keine Bibel mehr benötigt. Sie braucht lediglich noch einige fromme Sprüche und hat sich meiner Ansicht nach schon lange in einen man-müsste-mal-/wir-haben-uns-alle-lieb-Glauben verabschiedet. Ich bin überzeugt, Luther würde seiner Kirche heute ein ganzes Buch voller Thesen an die Tür nageln.

Der christliche Glaube ist nicht "einfach". Der christliche Glaube fordert eine christliche Lebensweise. Und die Eckpunkte dieser Lebensweise werden durch die Bibel definiert. Das war meine Glaubensbasis und eine bessere habe ich nie gefunden.

Wer mit dem Bibellesen aufhört, weil ihm die Bibel zu viele Unstimmigkeiten hat, der springt in ein Planschbecken allgemeiner Religiosität in dem alles erlaubt oder verboten ist, was einem gerade einfällt. Was auch immer da herauskommt, christlich ist es dann nicht mehr.

Wie geht man als Aussteiger-Christ mit diesen Argumenten um?

Indem man einfach mal nachdenkt.

Während meiner Zeit als aktiver Christ hätte mich niemand wirklich mit Argumenten davon überzeugen können, dass der christliche Gott nicht existiert. Ich hatte eine zu tiefe emotinale Bindung zu meinen Glauben und meinem Gott. Und das wird auch hier so sein. Darum zunächst mal: alle anti-missionarischen Beweggründe aufgeben. Wenn jemand ehrliche Fragen hat, kann man sie beantworten. Wenn es allerdings nur in einer psychologischen Fragestunde endet, die das Ziel hat, dem Nicht-Mehr-Christ ein Problem anzudichten - das Gespräch beenden oder das Thema wechseln.

Man kann auch prima mit Christen befreundet sein, ohne ständig über den Glauben zu sprechen. Es geht wirklich.

Bei einem Gespräch sollten sich beide Seiten bewusst sein, dass sie den anderen nicht überzeugen können. Aber auch, dass Gespräche über den Glauben immer mit starken Emotionen verbunden sind. Darum: von beiden Seiten freundlich bleiben und nicht erwarten, dass der jeweils andere sich zur eigenen Meinung "bekehrt".

Update 18. Juli 2010 - Heike mit dem Namen Michael ist nicht wirklich überzeugt

Ich bin froh, dass ich letztens die Unterseite hier erstellt habe. Heute kam eine Mail vom Absender "Heike", unterschrieben von "Michael", die genau hier hineingehört. Hier ein Auszug. Hervorhebungen von mir:

Besonders hat mich das Schlusswort interessiert, ob ich jetzt ein Beispiel gefunden hätte, dass ein wiedergeborener Christ verloren gehen kann. Das, was Du schreibst, hat mich aber nicht überzeugt. Ich hätte erwartet, dass Du Deine "Bekehrungsgeschichte" erzählen würdest, wie Du Jesus gebeten hattest, Dich zu retten. Mir selber bleibt nur genau dieses, um Dir gegenüber zu bezeugen, dass ich gerettet bin, denn ich bin nie auf einer Bibelschule gewesen geschweige denn Klassensprecher dort.

Deine Begründung hat mich nicht wirklich überzeugt, weil sie mich an Lebensberichte erinnert, wo Leute bekennen, ein ähnlich angesehenes Leben geführt zu haben und trotzdem nachher zur Erkenntnis gekommen sind, dass sie noch gar nicht errettet waren. Das haben sie aber dann nachgeholt (z.B. Keith Green, "Kompromisslos", Hänssler 2006, S. 225: "Gott hat mir heute Abend gezeigt, dass ich in Wirklichkeit gar kein Christ bin.") Warst Du Dir wirklich sicher, dass der Sohn Gottes mit seinem Blut für Dich bezahlt hat, Dich gerechtfertigt hat und zu einem Kind Gottes gemacht hat? Ehrlich?

8 Jahre lang war ich Christ und immer in missionarisch orientieren Gruppen. 2 Jahre war ich auf der Bibelschule eines großen international tätigen Missionswerks und hatte nahezu täglich von Lehrern Unterricht, die selbst als Evangelisten unterwegs waren. Und er fragt mich, ob ich wirklich sicher war, dass der Sohn Gottes mit seinem Blut für mich bezahlt hat. Wenn ich dort wohl eins mitbekommen habe, dann, was eine Bekehrung, eine Lebensübergabe und was ein wiedergeborener Christ ist. Trotzdem danke für den Buchtipp.

Klar, hat ihn mein Schlusswort nicht überzeugt. Wie soll es ihn auch überzeugen? Schließlich ist es seine Überzeugung, dass ein Christ nicht verlorengehen kann. Da diese Überzeugung für ihn bereits als feste Größe zementiert ist, bleibe ja nur noch ich, an dem es liegen kann. Solche Diskussionen zu führen, ist völlig sinnlos.

Würde ich ihm antworten, bekäme ich sofort die nächste Mail mit weiteren Dingen, die ihn nicht wirklich überzeugt haben. Sei nicht traurig, Heike, Marianne, Michael oder wie du sonst heißen magst. Du darfst Christ sein. Ich habe nichts dagegen. Aber lass uns die gegenseitige Analyse hier beenden.

Update 20. August 2010 - Gerd nennt mich "Bruder"

Diese Woche - kurz vor Fertigstellung des Forums - erreicht mich eine halbanonyme Mail von Gerd. Er unterschreibt nur mit "Dein Bruder", hat aber dankenswerterweise seinen Namen in seiner E-Mail-Adresse. Seine Mail ist unendlich lang, aber sehr freundlich. Wir schauen uns hier nur Anfang und Ende an:

Hallo Bruder!

Ich rede dich so an – obwohl es dich ärgern wird, weil du eine sehr entschiedene Haltung dagegen eingenommen hast, aber dieses Ärgern macht mir nichts -, weil deine ganze Internet-Öffentlichkeit ein einziger Ruf ist: „Bitte überzeugt mich, dass ich mit meiner Ablehnung falsch liege!“ – und Jesus dich noch lange nicht vom Haken gelassen hat!!!

Ich bin sehr flexibel und weiß, dass Christen niemals aufgeben. Jedenfalls manche :-) Darum ärgert mich diese Anrede nicht. Überzeugen kann mich nur dieser Gott selbst. Ich habe nichts gegen diesen Gott und komme gern zurück. Aber ich jage kein Phantom mehr.

Könnte übrigens dein Internetauftritt auch, so ging mir zwischenzeitig durch den Kopf, ein Feldversuch sein, wie bekehrungseifrige missionarisch gesinnte Christen auf eine solche Apologie des Atheismus reagieren. Würde, falls ich damit richtig liege, mich interessieren, wie deine Ergebnisse so sind, nachdem ich vor habe, mir mit dieser Email Mühe zu geben J .

Nein. Es handelt sich einfach nur um meine Gedanken, die irgendwann raus mussten.

Doch auf dieser Unterseite geht es ja speziell um diese Fragen, mit denen Christen uns Nicht-Mehr-Christen immer wieder in Verlegenheit bringen möchten. Und darum durfte der folgende Abschnitt in Gerds Mail natürlich nicht fehlen:

Falls Du jetzt noch da bist, hier mein wichtigster Punkt: Kennst du Jesus eigentlich?

Vermutlich ja nicht! Sonst würdest du ihn ja nicht leugnen, mit einem so verräterisch großen Aufwand allerdings!

Allerdings habe ich bei all deinen Aufzählungen, was dir an der Zeit deines christlichen Lebens gefallen hat und dir wichtig, wert und teuer war, niemals gelesen, dass es dabei um ihn ging. Hast du eigentlich immer nur die respektablen Werte christlicher Gemeinschaft kennengelernt , aber ihn selbst nie? Hast du nie erlebt, dass er dich tröstet, wenn du getrauert hast, zum Beispiel in der Geschichte mit der Frau, die du liebtest, die jedoch vor dir erst einmal Heilung brauchte?

Hast du jemals erlebt, wie das ist, dass er Frieden und Ruhe schenkt, mitten in Zeiten innerer Zerrissenheit? Hast du erlebt, dass er dich über deine Fehler und Macken hinweg mit Wertschätzung betrachtet, weil ihm die Überwindung all deiner Unvollkommenheit teuer gewesen ist? Hast du vielleicht auch erlebt, dass er genug ist und dich am Leben erhält, auch wenn du durch die Dürre tiefer Enttäuschungen hindurch musstest – weil er weiß, was er dir zumuten kann?

Ich habe seinen Namen bei dir, wenn überhaupt, dann nur am Rande – „marginal“ – gelesen. Wenn das deinen damaligen Glauben wirklich kennzeichnet, dann hast du das wichtigste verpasst! Ich habe bei deiner Gegenüberstellung jenes schwedischen Tanzevents oder so ähnlich und der christlichen Gemeinschaften, die du kennen gelernt hast, empfunden, dass du den Widerschein mit der Lichtquelle verwechselt hast. Es ist gut und wichtig und im Willen Gottes, dass sich Jesus in seiner Gemeinde auswirkt. Aber wichtig ist ER SELBST! Wichtig ist, dass er deinen Mangel ausfüllen darf. Dass du ihn kennst.

Auf die Frage "Kennst du Jesus eigentlich", muss ich am Ende dieser Seite nicht mehr eingehen. Ich bin heute davon überzeugt, dass Jesus nicht mehr lebt. Im Gegensatz zu damals, als ich noch gläubig war, halte ich ihn heute nicht mehr für erwähnenswert. Aus meinem Geschriebenen von heute auf meinen Glauben von damals schließen zu wollen, geht eben nicht.

Während Gerd positive Berichte über meine christliche Zeit vermisst, haben sich bei mir Mitglieder eines Esoterikforums bedankt, dass ich ihnen einen so ausführlichen Einblick in die Gedanken eines Christen gegeben habe und man meiner Seite anmerken würde, dass ich etwas für mich sehr wertvolles verloren habe. Es würde ihnen helfen, das manchmal so unlogisch sture Festhalten am christlichen Glauben, selbst von gebildeten Menschen zu verstehen, die es doch eigentlich besser wissen müssten. Einer hat sogar begonnen, meine Seite auf Fehler Korrektur zu lesen.

Und letzte Woche besuchte mich Kevin. Einer meiner Leser. Er las meine Seite innerhalb weniger Tage ganz durch. Nun lesen sie Freunde von ihm. Du beschreibst ganz genau, wie es ist. Ich hab immer wieder geschmunzelt und genickt. Sagte er.

Ich kann es nur immer wieder schreiben: Christen und NichtMehrChristen befinden sich auf zwei verschiedenen Seiten eines Abgrunds. Wir können miteinander sprechen. Wir können zueinander freundlich sein. Aber wir haben in Glaubensfragen einen Graben zwischen uns, den wir nicht überbrücken können.


30.11.-0001 00:00

Gespräche über Ausstiegsgründe

Vor einigen Jahren traf ich bei einem Ehemaligentreffen meiner Bibelschule einen ehemaligen Mitschüler. Wie schön :-)

Er befragte mich über die Gründe meines Ausstiges aus dem christlichen Glauben. Dann war ich dran und erklärte ihm alles so gut ich konnte. Nach einigen Minuten machte ich eine Pause. Darauf stellte er eine Frage: Haben dich Menschen frustriert? Genau an diesem Punkt wusste ich, dass er mir überhaupt nicht zugehört hatte.

Die Idee zu dieser Unterseite hier kam, als ich letztens mit einem alten (christlichen) Freund zusammensaß. Meistens sparen wir inzwischen den Glauben aus unseren Gesprächen aus. Doch diesmal war wieder einer dieser Tage, an denen alles anders ist. Und es passierte genau das, was dann immer passiert: Wie Colombo begann er Fragen zu stellen. Ich habe unzählige solcher unsinnigen Gespräche geführt. Ich habe mich sogar verleiten lassen, mich in einem christlichen Forum in eine solche Diskussion verwickeln zu lassen. Noch nie kam etwas fruchtbares dabei heraus.

Argumentationsschach mit dem Fragen-Springer

Alle folgenden Fragen wirken durchaus berechtigt. Gehen wir aber mal auf die Intention des Fragestellers ein. Die Fragen sind nämlich allesamt Fangfragen. Man kann sie gar nicht richtig beantworten. Im Gegenteil. Man erzählt, erklärt, diskutiert und kommt unweigerlich mit einer Formulierung, die die nächste dieser Fragen zulässt.

Ich habe mich auf unzählige solcher Diskussionen eingelassen. Es ist, als ob man in einem riesengroßen Kreis schwimmt. Keiner von beiden kommt weiter.

Der Nicht-Mehr-Christ erzählt aus seinem Leben. Der Christ hört zu und stellt irgendwann eine Frage, die ihm - wie bei einem Schachspiel - gerade passend erscheint. Warum passend? Weil der Aussteiger-Christ gerade einen neuen Ansatzpunkt offengelegt hat.

Die Frage gibt dem Aussteiger wieder Redestoff und er redet und redet, während der Christ fragt und fragt. Am Ende kommt sich der Aussteiger schuldig vor, weil er die ganze Zeit nur in der Defensive war. Es ist wie beim Tennisspielen gegen die Ballmaschine. Gelegentlich unterhaltsam, etwas lehrreich, aber völlig sinnlos.

Christen und Aussteiger stehen, was den Glauben betrifft, auf zwei verschiedenen Seiten eines Abgrundes. Sie finden nicht mehr zueinander. Das ist meine Erfahrung.

Mein Tipp: solche Gespräche vermeiden. Sie führen nirgendwo hin.

Typische Fragen von Christen an Aussteiger

Das soll mal reichen.

Mein Tipp an alle Nicht-Mehr-Christen

Lasst euch nicht verunsichern von dieser Art der Fragestellung. Kein Mensch war jemals perfekt und auch ihr seid es nicht. Natürlich habt ihr Fehler gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass ihr euch jetzt einer solchen Fragestunde aussetzen müsst, deren einziges Ziel es ist, einen kleinen dunklen Fleck in eurem Leben zu finden, um den dann zum schwarzen Meer aufzublasen.

Wenn ihr Fragen beantwortet, bleibt fair, aber sorgt auch dafür, dass eure Gesprächspartner fair bleiben. Ihr seid keine schlechteren Menschen, nur weil ihr nicht mehr an Jesus Christus glaubt.

Lasst allerdings alle Versuche stecken, euer Gegenüber zu überzeugen. Oder hätte man euch ein Jahr vor eurem Ausstieg mit Argumenten davon überzeugen können, dass euer Glaube nicht wahr ist? Erwartet also von eurem Gegenüber kein Verhalten, das ihr früher selbst nicht gezeigt hättet.

Suggestivfragen von Christen and Nicht-Mehr-Christen

Schauen wir uns mal typische Suggestivfragen von Christen an und analysieren sie zusammen.

Haben dich Menschen frustriert?

Die so einfache Frage: Haben dich Menschen frustriert? ist eine typische Suggestivfrage. Wer eine solche Frage stellt, will doch keine Antwort. Es geht doch hier nur darum, jemandem sein Problem vorzuhalten. In Wirklichkeit wird hier folgendes gesagt:

Lieber Nicht-Mehr-Christ, ich habe mir deinen Vortrag nun angehört und festgestellt, dass du relativ häufig von anderen Menschen gesprochen hast. Du hast aber Gott aus den Augen verloren. Du musst auf Gott schauen, nicht auf Menschen! Das ist dein Problem!

Muss man auf so etwas wirklich antworten? Eigentlich nicht. Wer aussteigt, weiß genau, warum er ausgestiegen ist und welche Rolle Menschen dabei spielten. Dass sich der christliche Glaube um einen Gott und nicht um Menschen dreht, ist jedem klar, der mal Christ war.

Diese Frage kommt häufig, wenn ich vom Willen Gottes und den unterschiedlichen Konfessionen spreche. Zum Beispiel über diesen Gastlehrer an der Klostermühle, der den Toronto-Segen als klar satanisch hinstellte. Immer wenn ich solche Beispiele bringe, von Menschen, die eigentlich gläubig sind, aber andere Christen verurteilen, deren Glaube mir genauso ehrlich vorkommt, fragen mich Christen den Satz: Haben dich Menschen frustriert?

Nein, nicht Menschen. Der hinter diesem Glauben stehende Gott, der seinen Schäfchen nicht mal hilft, die Wahrheit über theologische Zusammenhänge zu erkennen und stattdessen zusieht, wie sie sich gegenseitig vorwerfen, vom Satan besessen zu sein. Peinlich. Echt! Ich habe in meinem Glaubensleben unzählige solcher Stories erlebt und genau deswegen hinterfrage ich diesen Glauben und sage: dieser Gott existiert nicht.

Mit Menschen hat das nichts zu tun, denn Menschen haben keinen Vorteil davon, an Zungenrede zu glauben, den Toronto-Segen, Kinder- oder Erwachsenentaufe und weiß ich, um was sich Christen alles belangloses streiten. Hinter diesen Glaubensrichtungen stehen Menschen, die ihren Gott suchen und ihre Ansicht sicher sofort ändern würden, wenn er mal ein Gebet um Klarheit erhören würde. Tut er aber nicht. Da er es jedoch verheißen hat, bleibt mir nur die Schlussfolgerung: er existiert nicht.

Hast du deinen Glauben ritualisiert?

Auch eine typische Frage, die man gemeinerweise gerade denen stellt, die sich doch in ihrem Leben sichtbar für Gott eingesetzt haben: Jeden Tag Stille Zeit, aha. Hattest du wirklich eine Beziehung zu Gott, oder hast du nur Rituale befolgt?

Bei dieser Frage kann ich persönlich echt an die Decke gehen. Da steht man jahrelang früher auf, betet, hält sein Leben sauber, liest Bibel. Dann kommen irgendwelche oberklugen Typen und stellen alles in Frage im Sinne von:

Lieber NiMeChri, du hast ja toll beschrieben, wie sehr du Bibel gelesen hast und gebetet hast. Aber hattest du wirklich auch eine Beziehung zu Gott? Es kommt doch nicht auf das Bibellesen an, sondern auf Gott. Es ist auch nicht wichtig, dass du krampfhaft jeden Tag Stille Zeit hälst. Die Beziehung zu Gott ist wichtig. Schau dir doch mal an, wie entspannt mein Glaubensleben ist. Du musst nicht jeden Tag früher aufstehen, um Stille Zeit zu halten.

Natürlich muss ich nicht jeden Tag früher aufstehen. Aber ich habe es getan. Und ich habe mich wohl dabei gefühlt und ich habe es für meinen Gott getan. Das letzte, worauf ich nun Lust habe, ist, mich deswegen von jemandem hinterfragen zu lassen, der das nicht tut.

Wie Banane muss man eigentlich sein, damit man so ein Argument zieht?

Hast du nicht damals schon diese Zweifel gehabt?

Auch eine echt fiese Frage: Du hast doch schon immer irgendwie etwas gezweifelt, oder? Dann ist es ja irgendwie, ein Stückweit ja auch kein Wunder, dass es so gekommen ist.

Super. Wer bitte hat noch nie gezweifelt? Jeder Christ zweifelt von Zeit zu Zeit. Selbst Petrus in Matthäus 26. Darum will ich mir das Folgende nicht anhören müssen:

Lieber NiMeChri, ich habe nun verstanden, dass du viele Fragen an die Bibel hast. Und du hast Recht. Es gibt tatsächlich einige merkwürdige Stellen. Aber hast du dich nicht zuviel in deine Zweifel hineingesteigert? Du musst auf Gott sehen. Außerdem hast du doch schon immer Zweifel gehabt. Wahrscheinlich warst du überhaupt niemals wirklich richtig gläubig und hast dir nur etwas vorgemacht.

Was soll man zu so einer Frage noch sagen? Man kann dazu nichts sagen. Sie ist ja auch extra so gestellt, dass man dazu nichts mehr sagen soll. Sie soll überführen und ein Argument in den Raum stellen, dem man nichts entgegensetzen kann. Hierzu passt schön die Elefanten-Geschichte beim Thema Weisheit.

Hast du aus dir heraus gelebt?

Das ist auch prima: Bestimmt hast du nicht aus Gott, sondern aus dir heraus gelebt, oder? Das ist eine typische alles-und-nichts-Formulierung.

Lieber NiMeChri, du hast nun soviel davon geredet, dass du Gott gesucht hast. Aber du musst Gott gar nicht suchen. Er ist immer da. Du musst nur aus ihm heraus leben. Du selbst kannst gar nichts tun. Anstatt dich so sehr anzustrengen, hättest du dich entspannen sollen und vertrauen.

Entspannen und vertrauen. Bestimmt haben das die ersten Christen auch getan, als sie für ihren Glauben hingerichtet wurden. Leute, die diese Frage stellen, würde ich am liebsten mal in ein fremdes Land mit einer militanten anderen Religion beamen und mal schauen, wie lange sie dort entspannt ihrem Gott vertrauen. Ob sie sich wirklich verfolgen und verprügeln lassen würden, denn das passiert auf dieser Welt. Nicht überall herrscht unser Friede-Freude-Eierkuchen-Christentum.

Jeder lebt in meinen Augen ein Stück aus sich heraus. Das macht uns zu Individuen. Es gehört zum Leben dazu. Für mich handelt es sich um eine typische Horoskop-Formulierung: jeder fühlt sich bei dieser Frage angesprochen. Darum sollte man sie einfach abprallen lassen und meine Seiten mit dem Du-musst-machen/Gott-muss-machen-Prinzip lesen.

Warst du wirklich sicher, dass du wiedergeboren bist?

Das ist so ziemlich eine der schwierigsten Fragen, die man gestellt bekommen kann:

Lieber NiMeChri, deine Geschichte macht mich ja wirklich betroffen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich ein wiedergeborener Christ warst. Wahrscheinlich hast du dich niemals richtig bekehrt. Wenn du eine richtige Lebensübergabe gemacht hättest, wäre es sicher ganz anders gelaufen.

Na prima. Nun sind wir bei der Henne und dem Ei. Wenn man seinen Glauben verloren hat, kann man tun was man möchte. Es wird einem niemand mehr glauben, dass man mal richtig glaubte.

Man hat als Aussteiger auch gar keine Argumentationsbasis mehr. Alles was man früher mal glaubte, glaubt man heute nicht mehr. Wenn man damals eine Lebensübergabe gesprochen hat, ist die heute genauso sinnlos, als wenn man sich stattdessen den Hammer hätte auf den Fuß fallen lassen. Man hat auch damals bei der Bekehrung kein Zertifikat erhalten: "Ordnungsgemäß bekehrter Christ nach DIN 777 - Jesus geprüft."

Wer seinen Glauben aufgibt, wird niemals beweisen können, dass er es mal ernst gemeint hat. Man kann auch sagen was man will, es wird einem niemals geglaubt werden. Eine Diskussion auf dieser Ebene führt absolut nirgendwohin. Am besten sofort beenden oder das Thema wechseln.

Hast du in Sünde gelebt?

Wenn du Gott nicht näher kommst, hast du bestimmt in Sünde gelebt! Welch eine tolle Schlussfolgerung.

Lieber NiMeChri, gibt es da nicht eine dunkle Ecke in deinem Leben? Hast du vielleicht in Sünde gelebt? Oder hast du in bestimmten Bereichen deines Lebens keine Vergebung angenommen? Dann darfst du dich nicht wundern, wenn die Beziehung zu Gott darunter leidet.

Geil. Das ist alles, was mir dazu einfällt. Was bedeutet denn "in Sünde gelebt"?

Es handelt sich hier um eine sehr dehnbare Formulierung. Und die wird bei Nicht-Mehr-Christen auch sehr gern überdehnt. Plötzlich zählt nämlich schon jedes "kleine" schlechte Gewissen als Sünde. Fast alle Männer und viele Frauen tragen ständig das Päckchen Selbstbefriedigung mit sich herum und wissen nicht, wie sie damit umzugehen haben, weil es nämlich trotz anders lautender Seelsorgermeinung ein ständig schlechtes Gewissen verursacht.

Aber Sünde meint nicht nur sexuelles. Sünde kann so ziemlich alles und nichts sein. Auch eine schlechte Beziehung zu Kollegen oder Eltern. Oder was auch immer. Muss ich mich dazu vor jemandem rechtfertigen, der meine Situation nicht kennt? Nein!

Hast du im Namen Jesu gebetet?

Oh toll, ein Geheimrezept. Du musst im Namen Jesu beten. Gebete im Namen Jesu erhört Gott also mehr als Gebete einfach so. Dazu will ich gar nicht mehr schreiben.

Hast du nichts mit Gott erlebt?

Wenn man die Bibel nicht mehr versteht, fragt man halt nach den Erlebnissen mit Gott.

Lieber NiMeChri, ja du hast Recht. Die Bibel enthält einige Dinge, die auch ich nicht verstehe. Aber wir müssen nicht alles verstehen. Wir glauben doch an einen ewigen und lebendigen Gott. Du hast doch auch etwas mit Gott erlebt, oder? Warum erinnerst du dich daran jetzt nicht?

Das ist so ziemlich die dümmste Argumentation, die ich jemals gehört habe. Blöderweise ist es aber auch die, die einem am meisten nachgeht. Jeder Mensch hat im Lauf seines Leben irgendetwas "mit Gott erlebt".

Aber - und das ist ganz wichtig. Auch andere Religionen erleben etwas mit ihrem Gott. Aber auch esoterische Glaubensrichtungen erleben etwas mit ihrem Glauben. Schon mal mit eingefleischten Astrologen gesprochen? Es ist die Besonderheit jedes Glaubens, dass man damit etwas erlebt. Viele Menschen erleben große Zufälle durch ihren Glauben. Auch Moslems tun das. Aber auch Geisterheiler haben Erfolge.

Ich kann doch nicht einfach irgendeine unerklärliche Situation nehmen und mir damit dann einreden, dass es Gott geben muss. Spätestens wenn andere Glaubensrichtungen, die meiner eigenen Glaubensüberzeugung völlig entgegenstehen das Gleiche tun, muss ich doch misstrauisch werden. Es handelt sich hier um einen typischen Zirkelschluss.

Selbst Jesus hat so etwas gemacht: Einerseits sieht er Wunder als seine Bestätigung als Messias an und andererseits bestätigt er, dass andere auch Wunder tun. Wer auf solche Beweise vertraut, belügt sich selbst.

Wolltest du in sexueller Freiheit leben?

Na klar, daran liegt es. Du wolltest Sex ohne Heiraten, oder?

Ich bin immer wieder verblüfft, wie merkwürdig Christen argumentieren, wenn es um Sex geht.

Lieber NiMeChri, mir ist jetzt alles klar. Du willst One-Night-Stands haben, dich mit Prostituierten einlassen, Pornoheftchen kaufen oder sogar -videos. Du bist für Sex unter Männern und wahrscheinlich auch mit Tieren. Wahrscheinlich stehst du auch auf Kinder. Und du willst auch deine Frau und Kinder verlassen und dir eine jüngere suchen. Das ist alles Sodom und Gomorrha.

Ich habe festgestellt: je braver ein Christ lebt, desto größer ist seine Fantasie, wenn er/sie mit mir über Sex redet.

Ohne hier meine Sex-Kapitel nochmal wiederholen zu wollen. Ich stelle immer wieder klar, dass die Sex-Gebote (kein Sex vor der Ehe, keine Homosexualität, keine Wiederheirat nach Scheidung) nur Sinn machen, wenn dieser Glaube wahr ist und es wirklich einen Gott gibt, der auf diese Gebote Wert legt. Interessanterweise wird mir hier gern das Wort im Mund herumgedreht und ich werde als Sex-Monster dargestellt, das sich Gottes Geboten nicht unterwerfen will.

Wenn es Gott gibt, sind seine Gebote zu halten. Und wenn mich jemand davon überzeugt, halte ich diese Gebote auch. Wenn es diesen Gott allerdings nicht gibt, muss auch mal gesagt werden können, dass diese Gebote mindestens so pervers sind, wie viele Sexpraktiken und dass die Sex-Gebote des christlichen Glaubens - so wie ich ihn erlebt habe - Menschen psychisch krank machen können.

Mit meinem eigenen Sexualleben hat dies alles nichts zu tun, ganz abgesehen davon, dass es auch niemanden etwas angeht.

Warum hörst du nicht mit Bibellesen auf?

Bestimmte Argumentationen machen selbst mich sprachlos. So auch diese hier:

Lieber NiMeChri, wenn du solche Probleme mit Unstimmigkeiten in der Bibel hast. Warum hörst du dann nicht einfach auf mit Bibel lesen?

Gut. Solche Fragen stellen nur Charismaten oder NoNiLaChris (noch-nicht-lange-Christen).

Ob es uns passt oder nicht: der christliche Glaube wird definiert durch die Bibel. Ohne Bibel - kein christlicher Glaube. Ohne Bibel - nur Chaos. Ohne Bibel - glaubt jeder, was er möchte.

Es mag Kirchen wie die evangelische Landeskirche geben, die - so wie ich sie erlebe - eigentlich keine Bibel mehr benötigt. Sie braucht lediglich noch einige fromme Sprüche und hat sich meiner Ansicht nach schon lange in einen man-müsste-mal-/wir-haben-uns-alle-lieb-Glauben verabschiedet. Ich bin überzeugt, Luther würde seiner Kirche heute ein ganzes Buch voller Thesen an die Tür nageln.

Der christliche Glaube ist nicht "einfach". Der christliche Glaube fordert eine christliche Lebensweise. Und die Eckpunkte dieser Lebensweise werden durch die Bibel definiert. Das war meine Glaubensbasis und eine bessere habe ich nie gefunden.

Wer mit dem Bibellesen aufhört, weil ihm die Bibel zu viele Unstimmigkeiten hat, der springt in ein Planschbecken allgemeiner Religiosität in dem alles erlaubt oder verboten ist, was einem gerade einfällt. Was auch immer da herauskommt, christlich ist es dann nicht mehr.

Wie geht man als Aussteiger-Christ mit diesen Argumenten um?

Indem man einfach mal nachdenkt.

Während meiner Zeit als aktiver Christ hätte mich niemand wirklich mit Argumenten davon überzeugen können, dass der christliche Gott nicht existiert. Ich hatte eine zu tiefe emotinale Bindung zu meinen Glauben und meinem Gott. Und das wird auch hier so sein. Darum zunächst mal: alle anti-missionarischen Beweggründe aufgeben. Wenn jemand ehrliche Fragen hat, kann man sie beantworten. Wenn es allerdings nur in einer psychologischen Fragestunde endet, die das Ziel hat, dem Nicht-Mehr-Christ ein Problem anzudichten - das Gespräch beenden oder das Thema wechseln.

Man kann auch prima mit Christen befreundet sein, ohne ständig über den Glauben zu sprechen. Es geht wirklich.

Bei einem Gespräch sollten sich beide Seiten bewusst sein, dass sie den anderen nicht überzeugen können. Aber auch, dass Gespräche über den Glauben immer mit starken Emotionen verbunden sind. Darum: von beiden Seiten freundlich bleiben und nicht erwarten, dass der jeweils andere sich zur eigenen Meinung "bekehrt".

Update 18. Juli 2010 - Heike mit dem Namen Michael ist nicht wirklich überzeugt

Ich bin froh, dass ich letztens die Unterseite hier erstellt habe. Heute kam eine Mail vom Absender "Heike", unterschrieben von "Michael", die genau hier hineingehört. Hier ein Auszug. Hervorhebungen von mir:

Besonders hat mich das Schlusswort interessiert, ob ich jetzt ein Beispiel gefunden hätte, dass ein wiedergeborener Christ verloren gehen kann. Das, was Du schreibst, hat mich aber nicht überzeugt. Ich hätte erwartet, dass Du Deine "Bekehrungsgeschichte" erzählen würdest, wie Du Jesus gebeten hattest, Dich zu retten. Mir selber bleibt nur genau dieses, um Dir gegenüber zu bezeugen, dass ich gerettet bin, denn ich bin nie auf einer Bibelschule gewesen geschweige denn Klassensprecher dort.

Deine Begründung hat mich nicht wirklich überzeugt, weil sie mich an Lebensberichte erinnert, wo Leute bekennen, ein ähnlich angesehenes Leben geführt zu haben und trotzdem nachher zur Erkenntnis gekommen sind, dass sie noch gar nicht errettet waren. Das haben sie aber dann nachgeholt (z.B. Keith Green, "Kompromisslos", Hänssler 2006, S. 225: "Gott hat mir heute Abend gezeigt, dass ich in Wirklichkeit gar kein Christ bin.") Warst Du Dir wirklich sicher, dass der Sohn Gottes mit seinem Blut für Dich bezahlt hat, Dich gerechtfertigt hat und zu einem Kind Gottes gemacht hat? Ehrlich?

8 Jahre lang war ich Christ und immer in missionarisch orientieren Gruppen. 2 Jahre war ich auf der Bibelschule eines großen international tätigen Missionswerks und hatte nahezu täglich von Lehrern Unterricht, die selbst als Evangelisten unterwegs waren. Und er fragt mich, ob ich wirklich sicher war, dass der Sohn Gottes mit seinem Blut für mich bezahlt hat. Wenn ich dort wohl eins mitbekommen habe, dann, was eine Bekehrung, eine Lebensübergabe und was ein wiedergeborener Christ ist. Trotzdem danke für den Buchtipp.

Klar, hat ihn mein Schlusswort nicht überzeugt. Wie soll es ihn auch überzeugen? Schließlich ist es seine Überzeugung, dass ein Christ nicht verlorengehen kann. Da diese Überzeugung für ihn bereits als feste Größe zementiert ist, bleibe ja nur noch ich, an dem es liegen kann. Solche Diskussionen zu führen, ist völlig sinnlos.

Würde ich ihm antworten, bekäme ich sofort die nächste Mail mit weiteren Dingen, die ihn nicht wirklich überzeugt haben. Sei nicht traurig, Heike, Marianne, Michael oder wie du sonst heißen magst. Du darfst Christ sein. Ich habe nichts dagegen. Aber lass uns die gegenseitige Analyse hier beenden.

Update 20. August 2010 - Gerd nennt mich "Bruder"

Diese Woche - kurz vor Fertigstellung des Forums - erreicht mich eine halbanonyme Mail von Gerd. Er unterschreibt nur mit "Dein Bruder", hat aber dankenswerterweise seinen Namen in seiner E-Mail-Adresse. Seine Mail ist unendlich lang, aber sehr freundlich. Wir schauen uns hier nur Anfang und Ende an:

Hallo Bruder!

Ich rede dich so an – obwohl es dich ärgern wird, weil du eine sehr entschiedene Haltung dagegen eingenommen hast, aber dieses Ärgern macht mir nichts -, weil deine ganze Internet-Öffentlichkeit ein einziger Ruf ist: „Bitte überzeugt mich, dass ich mit meiner Ablehnung falsch liege!“ – und Jesus dich noch lange nicht vom Haken gelassen hat!!!

Ich bin sehr flexibel und weiß, dass Christen niemals aufgeben. Jedenfalls manche :-) Darum ärgert mich diese Anrede nicht. Überzeugen kann mich nur dieser Gott selbst. Ich habe nichts gegen diesen Gott und komme gern zurück. Aber ich jage kein Phantom mehr.

Könnte übrigens dein Internetauftritt auch, so ging mir zwischenzeitig durch den Kopf, ein Feldversuch sein, wie bekehrungseifrige missionarisch gesinnte Christen auf eine solche Apologie des Atheismus reagieren. Würde, falls ich damit richtig liege, mich interessieren, wie deine Ergebnisse so sind, nachdem ich vor habe, mir mit dieser Email Mühe zu geben J .

Nein. Es handelt sich einfach nur um meine Gedanken, die irgendwann raus mussten.

Doch auf dieser Unterseite geht es ja speziell um diese Fragen, mit denen Christen uns Nicht-Mehr-Christen immer wieder in Verlegenheit bringen möchten. Und darum durfte der folgende Abschnitt in Gerds Mail natürlich nicht fehlen:

Falls Du jetzt noch da bist, hier mein wichtigster Punkt: Kennst du Jesus eigentlich?

Vermutlich ja nicht! Sonst würdest du ihn ja nicht leugnen, mit einem so verräterisch großen Aufwand allerdings!

Allerdings habe ich bei all deinen Aufzählungen, was dir an der Zeit deines christlichen Lebens gefallen hat und dir wichtig, wert und teuer war, niemals gelesen, dass es dabei um ihn ging. Hast du eigentlich immer nur die respektablen Werte christlicher Gemeinschaft kennengelernt , aber ihn selbst nie? Hast du nie erlebt, dass er dich tröstet, wenn du getrauert hast, zum Beispiel in der Geschichte mit der Frau, die du liebtest, die jedoch vor dir erst einmal Heilung brauchte?

Hast du jemals erlebt, wie das ist, dass er Frieden und Ruhe schenkt, mitten in Zeiten innerer Zerrissenheit? Hast du erlebt, dass er dich über deine Fehler und Macken hinweg mit Wertschätzung betrachtet, weil ihm die Überwindung all deiner Unvollkommenheit teuer gewesen ist? Hast du vielleicht auch erlebt, dass er genug ist und dich am Leben erhält, auch wenn du durch die Dürre tiefer Enttäuschungen hindurch musstest – weil er weiß, was er dir zumuten kann?

Ich habe seinen Namen bei dir, wenn überhaupt, dann nur am Rande – „marginal“ – gelesen. Wenn das deinen damaligen Glauben wirklich kennzeichnet, dann hast du das wichtigste verpasst! Ich habe bei deiner Gegenüberstellung jenes schwedischen Tanzevents oder so ähnlich und der christlichen Gemeinschaften, die du kennen gelernt hast, empfunden, dass du den Widerschein mit der Lichtquelle verwechselt hast. Es ist gut und wichtig und im Willen Gottes, dass sich Jesus in seiner Gemeinde auswirkt. Aber wichtig ist ER SELBST! Wichtig ist, dass er deinen Mangel ausfüllen darf. Dass du ihn kennst.

Auf die Frage "Kennst du Jesus eigentlich", muss ich am Ende dieser Seite nicht mehr eingehen. Ich bin heute davon überzeugt, dass Jesus nicht mehr lebt. Im Gegensatz zu damals, als ich noch gläubig war, halte ich ihn heute nicht mehr für erwähnenswert. Aus meinem Geschriebenen von heute auf meinen Glauben von damals schließen zu wollen, geht eben nicht.

Während Gerd positive Berichte über meine christliche Zeit vermisst, haben sich bei mir Mitglieder eines Esoterikforums bedankt, dass ich ihnen einen so ausführlichen Einblick in die Gedanken eines Christen gegeben habe und man meiner Seite anmerken würde, dass ich etwas für mich sehr wertvolles verloren habe. Es würde ihnen helfen, das manchmal so unlogisch sture Festhalten am christlichen Glauben, selbst von gebildeten Menschen zu verstehen, die es doch eigentlich besser wissen müssten. Einer hat sogar begonnen, meine Seite auf Fehler Korrektur zu lesen.

Und letzte Woche besuchte mich Kevin. Einer meiner Leser. Er las meine Seite innerhalb weniger Tage ganz durch. Nun lesen sie Freunde von ihm. Du beschreibst ganz genau, wie es ist. Ich hab immer wieder geschmunzelt und genickt. Sagte er.

Ich kann es nur immer wieder schreiben: Christen und NichtMehrChristen befinden sich auf zwei verschiedenen Seiten eines Abgrunds. Wir können miteinander sprechen. Wir können zueinander freundlich sein. Aber wir haben in Glaubensfragen einen Graben zwischen uns, den wir nicht überbrücken können.


30.11.-0001 00:00

Bibeltreu

Was ist bibeltreu?

Bibeltreue Christen nehmen die Bibel als Gottes Wort an die Menschen. Sie legen Wert darauf, dass dieses Wort Gottes wahr ist und richten ihr Leben danach. Kritiker sprechen von einem papiernen Papst.

Ohne diesen Aufkleber bibeltreu bliebe für mich nur ein relativ verwaschenes Bild eines lieben Gottes. Die schönen Bibelstellen nimmt man als Richtschnur und feiert mit ihnen an Weihnachten das Christkind und die nicht so schönen ignoriert man einfach. Wer das tun will darf das tun. Ich sehe den Sinn nicht und kann mir auch nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt, der uns etwas schriftliches hinterlässt aus dem wir uns dann aussuchen dürfen, was wir davone ernst nehmen und was nicht.

Man könnte sich auch rein auf Erfahrungen zurückziehen. Dies käme im Prinzip auf das gleiche heraus: Ich baue mir dann mit ein bißchen Weihnachtsgeschichte, Ostern und ein wenig Esoterik meinen eigenen Gott. Auch das darf jeder so handhaben, wie er möchte.

Für mich sind diese Wege nicht zielführend.

Warum eigentlich bibeltreu?

Wenn man in die Bibel schaut, sieht man schnell, dass Sie nicht den Anspruch hat, ein Märchenbuch zu sein. Im Gegenteil. Die Autoren der Bibel waren der Ansicht, dass das, was Sie berichten, wahr ist. Und es ist sehr wichtig zu wissen, dass sich 11 von 12 Jüngern Jesu für diese angebliche Wahrheit haben umbringen lassen. Auch Paulus beschreibt an einigen Stellen in der Bibel außerordentlich deutlich seine Entbehrungen. Er war im Prinzip ein angesehener Mann. Plötzlich wechselt er seine religiöse Einstellung und folgt einem Jesus nach, der angeblich zu ihm gesprochen haben soll, bereist die Welt, verzichtet auf viele Annehmlichkeiten und lässt sich schließlich für diesen Glauben umbringen.

Wenn man von solchen Menschen liest, muss man sich irgendwann die Frage stellen, wie man denn mit deren Lehren umgehen will. Ich habe ja oben schon beschrieben, welchen Weg Sie zumindest in den mir bekannten Landeskirchen vermittelt bekommen: Eine einzige Ansammlung von Man müsste mal und Wir haben uns alle lieb. Nächstenliebe und persönliche Veränderung sind sicher Grundlehren der Bibel. Aber es sind eben nicht die Hauptlehren.

Die Hauptlehre der Bibel, wird für Außenstehende ungewöhnlich und auch ein wenig sektiererisch klingen: Sie leben in Sünde. Sie müssen umkehren. Gott hat Sie lieb. Jesus ist für Ihre Sünden bereits bestaft worden. Folgen Sie ihm nach und Sie werden in den Himmel kommen. Das ist die Lehre der Bibel in groben Zügen.

Die Lehre der Bibel hat aber auch eine Kehrseite: Und die besagt, dass alle, die sich zu ihren Lebzeiten nicht für Jesus entscheiden, in die Hölle gehen. Auch die Toleranz anderer Religionen ist im Prinzip nicht vorgesehen.

Und so muss man sich irgendwann entscheiden, ob man die Bibel als Märchenbuch begreifen will, damit man schön Weihnachten feiern kann und ab und zu eine Predigt mit viel man müsste mal anhört. Oder ob man ernst macht und das tun will, für das diese Menschen aus dem damaligen Umfeld Jesu sich haben umbringen lassen: Jesus bedingungslos nachfolgen.

Ichthys - der Jesus-Fisch - das Zeichen bibeltreuer Christen

Wie? Ein Fisch? Sie dachten, Christen verwenden ein Kreuz als Symbol ihrer Religion.

Warum ein Fisch und kein Kreuz?

Wissen Sie, was für eine unendlich grausame Hinrichtungsart das Kreuz ist? Wenn Jesus auf dem elektrischen Stuhl gestorben wäre - würden Sie sich heute einen Stuhl umhängen wollen, eine Giftspritze, eine Pistole oder einen Marterpfahl? Das Kreuz kam erst in "Mode" als die Hinrichtungsart "kreuzigen" aus der Mode kam. Bis dahin verwendete man alle möglichen Symbole. Darunter auch ein Fisch.

Warum? Vielleicht auch wegen Matthäus 4,19. Da beruft Jesus ein paar seiner zukünftigen Jünger (darunter auch Petrus) und sagt: Ich werde euch zu Menschenfischern machen!

Vom Zeichen unter Verfolgten zur Abgrenzung gegen Karteileichen

Die ersten Christen wurden lange Zeit verfolgt. In dieser Zeit war der Fisch eins ihrer Geheimsymbole. Heute hat der Fisch eine etwas andere Bedeutung:

Landeskirchen-Karteileichen verwenden das Kreuz und glauben ja auch irgendwie an Gott. Darum haben sich einige, die ihren Glauben etwas ernster nehmen, dazu entschiedenen, dieses alte Symbol eines Fisches zu verwenden um zu zeigen: Ich gehöre zu Jesus.

Das Kreuz bleibt weiterhin ein wichtiges christliches Symbol. Wenn man allerdings einen Fisch sieht (meistens als Autoaufkleber), kann man davon ausgehen, dass der Träger seinem Glauben etwas mehr Aufmerksamkeit widmet als der gemeine Kirchensteuerzahler.

Und was bedeutet nun Ichthys oder Ichthus?

Ιχθυς (Ichthys) ist ein griechisches Wort, das übersetzt nichts anderes bedeutet als "Fisch". Und schon vor langer, langer Zeit fanden es Christen "cool", dieses Wort aus den Anfangsbuchstaben der folgenden Worte zusammenzusetzen:

  • Ιησους (Iēsous = Jesus)
  • Χριστος (Christos = Christus)
  • Θεος (Theos = Gott)
  • ̔Υιος (Hyios = Sohn)
  • Σωτηρ (Sōtēr = Retter)

Und so gibt es auch Autoaufkleber mit einem Fisch und dem Wort ICHTHYS oder ΙΧΘΥΣ.

Manche schreiben auch Ιχθυς (Ichthus) - möglicherweise, weil das kleine griechische Ypsilon wie unser kleines u aussieht. Gesprochen wird es meinen Informationen nach allerdings, wie ein ü. Nur in Verbindung mit einem o wird daraus unser u-Laut (siehe Jesus oben).

Bibeltreues Christentum oder christlicher Fundamentalismus?

Die Frage stellt sich sicherlich. Ja, meiner Ansicht nach, ist der Begriff Fundamentalisten für bibeltreue Christen eine durchaus richtige Bezeichnung. Bibeltreue Christen versuchen, die Herrschaft über ihr Leben ihrem Gott zu geben. Sie stellen das Wort Gottes - die Bibel - über alles. Nun spricht die Bibel - zumindest das Neue Testament - nicht von Gewalt. So geht vom christlichen Fundamentalismus eigentlich keine Gefahr aus. Zumindest wenn man sich wirklich der Bibel verschrieben fühlt. Dies ist allerdings in allen mir bekannten Gruppen (Konfessionen) so. Was die Iren machen, hat mit dem Christentum, über das ich hier spreche, nichts zu tun.

Bibeltreue Christen sind nicht gewalttätig. Im Gegenteil, sie lassen sich eher Gewalt antun. Sie missionieren in Ländern, in denen sie wegen ihrer Religion unerwünscht sind, tun Gutes und versuchen Menschen für Jesus zu gewinnen. Wenn man von bibeltreuen Christen spricht, muss man immer auch die positiven Taten dieser Menschen sehen. Ich habe viele Berichte von Missionaren gehört, die in der Mission sind und unendlich viel Gutes tun.

Aber bei allem Guten, muss man sich bewusst sein, dass christliche Missionare in verschiedenen Ländern gerade auch Menschen in Gefahr bringen. Wenn in einem Land Christen verfolgt werden, dann sind dort gerade die Neu-Missionierten besonderen Gefahren ausgesetzt. Ich habe ja bereits etwas über Somalia 2007 geschrieben (vorletzter Absatz).

Ist das bibeltreue Christentum eine Sekte?

Wir haben auf der Bibelschule unsere ganz eigene Definition einer Sekte gehabt: alles was in unserem Sinne an die Bibel glaubte, war eine Kirche. Alle anderen christlichen Gruppen waren eine Sekte. Dazu zählten z. B. die Zeugen Jehovas, aber auch die Neuapostolen oder die Mormonen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Das bibeltreue Christentum, so wie ich es erlebt habe, entspricht ziemlich genau dem, was der Volksmund als Sekte bezeichnet. Sie tun merkwürdige Dinge, die der normale Mensch nicht tun würde und richten ihr Leben an einer Religion aus, deren Werte von der des normalen Bürgers abweichen.

Ich zum Beispiel habe 10% meines Nettoeinkommens meiner Gemeinde überwiesen. Können Sie sich vorstellen, wie meine Eltern geschaut haben, als sie davon erfahren haben?

Bibeltreue Christen werden sich sehr dagegen wehren, als Sekte bezeichnet zu werden. Einfach weil dieses Wort so negativ belegt ist. Wenn man sich aber ansieht, was sie glauben und was sie tun (über einiges habe ich auf dieser Webseite ja geschrieben) dann kann man sagen: der Begriff Sekte - so wie ihn der Volksmund versteht - trifft es schon relativ genau.

Man kann dabei dem bibeltreuen Christentum zugute halten, dass es keine Menschen ausbeutet und vieles mit guten Vorsätzen tut. Es bleibt aber dabei: das bibeltreue Christentum gibt seinem Gott - dessen Wille es aus der Bibel ableitet - eine absolute Machtstellung. Bibeltreue Christen richten Ihr Leben nach der Bibel aus und dies hat keineswegs nur positive Auswirkungen und kann zu erheblichen lebensveränderten Entscheidungen führen, die man ohne diesen Glauben niemals treffen würde.


30.11.-0001 00:00

Bibeltreu

Was ist bibeltreu?

Bibeltreue Christen nehmen die Bibel als Gottes Wort an die Menschen. Sie legen Wert darauf, dass dieses Wort Gottes wahr ist und richten ihr Leben danach. Kritiker sprechen von einem papiernen Papst.

Ohne diesen Aufkleber bibeltreu bliebe für mich nur ein relativ verwaschenes Bild eines lieben Gottes. Die schönen Bibelstellen nimmt man als Richtschnur und feiert mit ihnen an Weihnachten das Christkind und die nicht so schönen ignoriert man einfach. Wer das tun will darf das tun. Ich sehe den Sinn nicht und kann mir auch nicht vorstellen, dass es einen Gott gibt, der uns etwas schriftliches hinterlässt aus dem wir uns dann aussuchen dürfen, was wir davone ernst nehmen und was nicht.

Man könnte sich auch rein auf Erfahrungen zurückziehen. Dies käme im Prinzip auf das gleiche heraus: Ich baue mir dann mit ein bißchen Weihnachtsgeschichte, Ostern und ein wenig Esoterik meinen eigenen Gott. Auch das darf jeder so handhaben, wie er möchte.

Für mich sind diese Wege nicht zielführend.

Warum eigentlich bibeltreu?

Wenn man in die Bibel schaut, sieht man schnell, dass Sie nicht den Anspruch hat, ein Märchenbuch zu sein. Im Gegenteil. Die Autoren der Bibel waren der Ansicht, dass das, was Sie berichten, wahr ist. Und es ist sehr wichtig zu wissen, dass sich 11 von 12 Jüngern Jesu für diese angebliche Wahrheit haben umbringen lassen. Auch Paulus beschreibt an einigen Stellen in der Bibel außerordentlich deutlich seine Entbehrungen. Er war im Prinzip ein angesehener Mann. Plötzlich wechselt er seine religiöse Einstellung und folgt einem Jesus nach, der angeblich zu ihm gesprochen haben soll, bereist die Welt, verzichtet auf viele Annehmlichkeiten und lässt sich schließlich für diesen Glauben umbringen.

Wenn man von solchen Menschen liest, muss man sich irgendwann die Frage stellen, wie man denn mit deren Lehren umgehen will. Ich habe ja oben schon beschrieben, welchen Weg Sie zumindest in den mir bekannten Landeskirchen vermittelt bekommen: Eine einzige Ansammlung von Man müsste mal und Wir haben uns alle lieb. Nächstenliebe und persönliche Veränderung sind sicher Grundlehren der Bibel. Aber es sind eben nicht die Hauptlehren.

Die Hauptlehre der Bibel, wird für Außenstehende ungewöhnlich und auch ein wenig sektiererisch klingen: Sie leben in Sünde. Sie müssen umkehren. Gott hat Sie lieb. Jesus ist für Ihre Sünden bereits bestaft worden. Folgen Sie ihm nach und Sie werden in den Himmel kommen. Das ist die Lehre der Bibel in groben Zügen.

Die Lehre der Bibel hat aber auch eine Kehrseite: Und die besagt, dass alle, die sich zu ihren Lebzeiten nicht für Jesus entscheiden, in die Hölle gehen. Auch die Toleranz anderer Religionen ist im Prinzip nicht vorgesehen.

Und so muss man sich irgendwann entscheiden, ob man die Bibel als Märchenbuch begreifen will, damit man schön Weihnachten feiern kann und ab und zu eine Predigt mit viel man müsste mal anhört. Oder ob man ernst macht und das tun will, für das diese Menschen aus dem damaligen Umfeld Jesu sich haben umbringen lassen: Jesus bedingungslos nachfolgen.

Ichthys - der Jesus-Fisch - das Zeichen bibeltreuer Christen

Wie? Ein Fisch? Sie dachten, Christen verwenden ein Kreuz als Symbol ihrer Religion.

Warum ein Fisch und kein Kreuz?

Wissen Sie, was für eine unendlich grausame Hinrichtungsart das Kreuz ist? Wenn Jesus auf dem elektrischen Stuhl gestorben wäre - würden Sie sich heute einen Stuhl umhängen wollen, eine Giftspritze, eine Pistole oder einen Marterpfahl? Das Kreuz kam erst in "Mode" als die Hinrichtungsart "kreuzigen" aus der Mode kam. Bis dahin verwendete man alle möglichen Symbole. Darunter auch ein Fisch.

Warum? Vielleicht auch wegen Matthäus 4,19. Da beruft Jesus ein paar seiner zukünftigen Jünger (darunter auch Petrus) und sagt: Ich werde euch zu Menschenfischern machen!

Vom Zeichen unter Verfolgten zur Abgrenzung gegen Karteileichen

Die ersten Christen wurden lange Zeit verfolgt. In dieser Zeit war der Fisch eins ihrer Geheimsymbole. Heute hat der Fisch eine etwas andere Bedeutung:

Landeskirchen-Karteileichen verwenden das Kreuz und glauben ja auch irgendwie an Gott. Darum haben sich einige, die ihren Glauben etwas ernster nehmen, dazu entschiedenen, dieses alte Symbol eines Fisches zu verwenden um zu zeigen: Ich gehöre zu Jesus.

Das Kreuz bleibt weiterhin ein wichtiges christliches Symbol. Wenn man allerdings einen Fisch sieht (meistens als Autoaufkleber), kann man davon ausgehen, dass der Träger seinem Glauben etwas mehr Aufmerksamkeit widmet als der gemeine Kirchensteuerzahler.

Und was bedeutet nun Ichthys oder Ichthus?

Ιχθυς (Ichthys) ist ein griechisches Wort, das übersetzt nichts anderes bedeutet als "Fisch". Und schon vor langer, langer Zeit fanden es Christen "cool", dieses Wort aus den Anfangsbuchstaben der folgenden Worte zusammenzusetzen:

  • Ιησους (Iēsous = Jesus)
  • Χριστος (Christos = Christus)
  • Θεος (Theos = Gott)
  • ̔Υιος (Hyios = Sohn)
  • Σωτηρ (Sōtēr = Retter)

Und so gibt es auch Autoaufkleber mit einem Fisch und dem Wort ICHTHYS oder ΙΧΘΥΣ.

Manche schreiben auch Ιχθυς (Ichthus) - möglicherweise, weil das kleine griechische Ypsilon wie unser kleines u aussieht. Gesprochen wird es meinen Informationen nach allerdings, wie ein ü. Nur in Verbindung mit einem o wird daraus unser u-Laut (siehe Jesus oben).

Bibeltreues Christentum oder christlicher Fundamentalismus?

Die Frage stellt sich sicherlich. Ja, meiner Ansicht nach, ist der Begriff Fundamentalisten für bibeltreue Christen eine durchaus richtige Bezeichnung. Bibeltreue Christen versuchen, die Herrschaft über ihr Leben ihrem Gott zu geben. Sie stellen das Wort Gottes - die Bibel - über alles. Nun spricht die Bibel - zumindest das Neue Testament - nicht von Gewalt. So geht vom christlichen Fundamentalismus eigentlich keine Gefahr aus. Zumindest wenn man sich wirklich der Bibel verschrieben fühlt. Dies ist allerdings in allen mir bekannten Gruppen (Konfessionen) so. Was die Iren machen, hat mit dem Christentum, über das ich hier spreche, nichts zu tun.

Bibeltreue Christen sind nicht gewalttätig. Im Gegenteil, sie lassen sich eher Gewalt antun. Sie missionieren in Ländern, in denen sie wegen ihrer Religion unerwünscht sind, tun Gutes und versuchen Menschen für Jesus zu gewinnen. Wenn man von bibeltreuen Christen spricht, muss man immer auch die positiven Taten dieser Menschen sehen. Ich habe viele Berichte von Missionaren gehört, die in der Mission sind und unendlich viel Gutes tun.

Aber bei allem Guten, muss man sich bewusst sein, dass christliche Missionare in verschiedenen Ländern gerade auch Menschen in Gefahr bringen. Wenn in einem Land Christen verfolgt werden, dann sind dort gerade die Neu-Missionierten besonderen Gefahren ausgesetzt. Ich habe ja bereits etwas über Somalia 2007 geschrieben (vorletzter Absatz).

Ist das bibeltreue Christentum eine Sekte?

Wir haben auf der Bibelschule unsere ganz eigene Definition einer Sekte gehabt: alles was in unserem Sinne an die Bibel glaubte, war eine Kirche. Alle anderen christlichen Gruppen waren eine Sekte. Dazu zählten z. B. die Zeugen Jehovas, aber auch die Neuapostolen oder die Mormonen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Das bibeltreue Christentum, so wie ich es erlebt habe, entspricht ziemlich genau dem, was der Volksmund als Sekte bezeichnet. Sie tun merkwürdige Dinge, die der normale Mensch nicht tun würde und richten ihr Leben an einer Religion aus, deren Werte von der des normalen Bürgers abweichen.

Ich zum Beispiel habe 10% meines Nettoeinkommens meiner Gemeinde überwiesen. Können Sie sich vorstellen, wie meine Eltern geschaut haben, als sie davon erfahren haben?

Bibeltreue Christen werden sich sehr dagegen wehren, als Sekte bezeichnet zu werden. Einfach weil dieses Wort so negativ belegt ist. Wenn man sich aber ansieht, was sie glauben und was sie tun (über einiges habe ich auf dieser Webseite ja geschrieben) dann kann man sagen: der Begriff Sekte - so wie ihn der Volksmund versteht - trifft es schon relativ genau.

Man kann dabei dem bibeltreuen Christentum zugute halten, dass es keine Menschen ausbeutet und vieles mit guten Vorsätzen tut. Es bleibt aber dabei: das bibeltreue Christentum gibt seinem Gott - dessen Wille es aus der Bibel ableitet - eine absolute Machtstellung. Bibeltreue Christen richten Ihr Leben nach der Bibel aus und dies hat keineswegs nur positive Auswirkungen und kann zu erheblichen lebensveränderten Entscheidungen führen, die man ohne diesen Glauben niemals treffen würde.


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