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Selbstbefriedigung und christlicher Glaube

Onanie, onanieren - woher kommt der Begriff?

Schreibt man das wirklich so? Nicht etwa Ornanie oder ornanieren? Nein, man schreibt es wirklich so. In der Bibel gab es nämlich einen Herrn Namens Onan im 1. Mose 38. Nachdem unser leicht reizbarer Bibel-Gott dessen Bruder Ger umgebracht hatte, befahl er Onan, gefälligst noch in seines Bruders Namen Nachkommen mit Gers Ehefrau zu zeugen. Onan gefiel das nicht und er erfand daraufhin den Coitus interruptus. Das wieder fand unser Bibel-Gott nicht gut und brachte ihn auch um.

Und so wurde Onan Namensgeber für Masturbation - sicher hätte er sich das nicht träumen lassen. Und sicher würde er heute darauf hinweisen wollen, dass er in seinem Leben auch andere schöne Dinge vollbracht hat, als zu onanieren. Doch nun Spaß beiseite.

Selbstbefriedigung in der Bibel

Für mich gab es während meiner christlichen Zeit nur einen Satz, der maßgebend war.
Matthäus 5,28:
Wer eine fremde Frau nur ansieht und sie begehrt, hat doch innerlich schon längst mit ihr die Ehe gebrochen.
Selbstbefriedigung ist ja nun kein rein mechanischer Akt. Im Gegenteil. Es fängt mit einem Gedanken an und ohne diesen Gedanken geht es nicht weiter. Damit will ich sagen: wer sich selbst befriedigt, stellt sich dabei etwas vor. Und wenn man normal veranlagt ist, ist dieses etwas in aller Regel eine Frau oder ein Mann. Und damit sind wir genau im Geltungsbereich dieses Satzes von Matthäus 5,28. Hier mal etwas freier übersetzt:
Wenn du die Frau nur ansiehst oder dir vorstellst, wie du schöne Dinge mit ihr machst, hast du die Sache doch schon längst in Gedanken durchgezogen. Du willst mir doch jetzt wohl nicht erzählen, dass du die Alte wegschicken würdest, wenn sie plötzlich bei dir auf der Bettkante sitzen würde.

Selbstbefriedigung in der Praxis

Nach meinen Beobachtungen unterteilt sich die Welt bei der Selbstbefriedigung in drei Kategorien:

1. Diejenigen, die es tun und damit kein Problem haben.
2. Diejenigen, die es tun und es irgendwie nicht so gut finden. Zum Beispiel, weil sie sich blöd dabei vorkommen, weil es ihnen peinlich ist oder was auch immer.
3. Diejenigen, die es tun und dabei ein schlechtes Gewissen haben. Das schlechte Gewissen dieser Leute ist in aller Regel antrainiert. Zum Beispiel durch eine Religion.

Eine vierte Gruppe derer, die es einfach lassen, ist zumindest mir niemals begegnet.

Der Kirchenvater Origenes lebte im 2. - 3. Jahrhundert. Man erzählt sich, dass er sich selbst kastriert haben soll. Warum tut jemand so etwas?

Ich bezweifle, dass viele von uns so weit gehen würden. Aber zumindest während meines Glaubenslebens, war das Thema Selbstbefriedigung – gerade auch in Verbindung mit der oben genannten Bibelstelle aus Matthäus – ein ganz großes Problem.

Und war ich damit allein? Nein. Es gab in meiner Kirchengemeinde, die ich regelmäßig von 1990 - 1993 besuchte einen Thomas, der sehr intelligent und belesen war und viele Themen unseres Bibelkreises hielt. Er war zwei Jahre jünger als ich, wird also so um die 22 - 24 gewesen sein. Unsere Jugendgruppe bestand größtenteils aus Leuten unter 25. War also genau in dem Alter, in dem dieses Thema besonders präsent ist.

Und dieser Thomas empfahl die auch von ihm selbst praktizierte kalte Dusche, wenn die Gefühle mal wieder zu üppig wurden. Und ich hörte ihn eines Tages davon sprechen, dass er mit einem Küchenmesser in der Hand mit seinem Schniedel sprach: »Wenn du jetzt nicht Ruhe gibst, dann ...«

Thomas ist ein hochintelligenter Mensch und kein Spinner. Heute ist er wahrscheinlich Arzt. Ich habe den Kontakt lange verloren. Ist dies ein böswilliges Beispiel? Kannst du über Thomas lachen?

Wie sind denn meine Beobachtungen hierzu:

Selbstbefriedigung ist ein notwendiges Übel, über das man aber nicht spricht und insgeheim ein schlechtes Gewissen hat. Ein paarmal in meinem Leben als Christ kamen Leute auf mich zu mit den Worten, sie fühlten sich so schmutzig, bla, laberten rum ohne was zu sagen. Ich brachte es dann immer auf den Punkt und lag auch nie falsch.

Das Problem bei der Selbstbefriedigung

Eine Freundin von mir sagte mal »Es fängt im Kopf an.« Und ich denke, dass dies das Hauptproblem bei der Selbstbefriedigung ist. Es handelt sich eben nicht um einen rein mechanischen Akt. Nein, man muss sich etwas dabei vorstellen. Und dieses etwas ist wohl in aller Regel ein Mensch oder eine Menschin den/die man attraktiv findet.

Verbindet man dies nun mit dem Gedanken aus Matthäus 5,28, dann hört man sehr schnell Jesus zu sich sagen, dass man in Gedanken doch eh schon die Sache durchgezogen hat. Und das ist ja gerade das krasse: Selbstbefriedigung rückt bei Christen damit an die Stelle von Ehebruch oder dem sonderbaren Tatbestand »Unzucht.« Ein solcher Lebensstil ist schlecht für das Selbstbewusstsein, vor allem weil Selbstbefriedigung kein gelegentlich auftretendes Phänomen ist, sondern mit großer Regelmäßigkeit auftritt.

Und so gibt es unter christlichen Singles zwei Arten von Menschen:
1. Die, die es tun und dieses Wort Jesu einfach für sich ausblenden.
2. Die, die es tun und wegen Jesus Wort ein schlechtes Gewissen haben.

Ersteren geht es besser. Fragt sich aber, wie ernst sie ihren Glauben nehmen, wenn sie Jesu Worte einfach ausblenden. Letztere nehmen ihren Glauben zweifellos sehr ernst. Es fragt sich aber, wie weit man im Leben kommt, wenn man permanent ein schlechtes Gewissen hat. Wenn man sich permanent unvollkommen fühlt. Sicher. Jesus vergibt einem das immer. Aber nein. Es handelt sich hier eben nicht um eine »Standard-Sünde«, wie:

  • Ich hab mich mal über jemanden geärgert und schlecht über ihn geredet.
  • Ich habe mal eine Notlüge verwendet.
  • Ich hab mal in der Schule abgeschrieben, weil es gerade die Gelegenheit gab.
  • Ich bin mal zu schnell gefahren.
Diese sexuellen Gebote sind etwas sehr persönliches und tief sitzendes. Mein Punkt dabei ist nicht, dass dieser Gott Selbstbefriedigung nicht verbieten könnte. Es geht mehr darum, ob dieser Gott überhaupt existiert. Wenn er nämlich nicht existiert, sollte man sich mal bewusst machen, welche schwere psychologische Kugel man sich hier und den Hals hängt.

Das Mittel gegen Selbstbefriedigung, der Selbstbefriedigungsstopp

Aber auch ich habe tolle Sachen gemacht und glaube nicht, dass ich damit allein bin. Getrieben von hochgeistlichen Gefühlen traf ich 1993 zweimal die Entscheidung, die Selbstbefriedigung völlig einzustellen. Einmal schaffte ich es über einen Zeitraum von drei Monaten. Das ist extrem lobenswert und beeindruckt mich selbst heute noch - wenn es nicht so völlig überflüssig gewesen wäre.

Das andere Mal waren nur ein oder zwei Wochen. Die allerdings mit dem Bonbon, dass ich die letzte Stunde, bevor es wieder passierte, Tagebuch schrieb. Was da drinsteht, kann ich hier wirklich nicht veröffentlichen. Ich kann nur so viel schreiben: Männer, die dieses Ventil nicht betätigen, werden zum Tier. Sie können nicht mehr denken, sie können nichts mehr tun, sie verlieren jede Souveränität und sind letzten Endes nur noch bedauernswerte Wesen, die sich ähnlich wie eine rollige Katze mit dem Leben abplagen, nur dass sie versuchen, es nicht so zu zeigen.

Was immer man positives aus der Gemeinde mitnimmt. Man sollte dieses Thema dabei nicht übersehen und es entsprechend hoch als Gegenpol verrechnen.

Fazit zur Selbstbefriedigung als Christ

Mir kann es heute egal sein, wie du dich mit deinem Leben abplagst. Es ist dein Leben. Auf dieser Seite findest du Argumente, warum ich glaube, dass es diesen Gott nicht geben kann. Häufig will man diese Argumente nicht sehen. Warum? Weil man glaubt, soviel Positives von seinem imaginären Gott zu bekommen.

Von mir kann ich sagen: Ich habe viele schöne Dinge während meiner Zeit als Christ erlebt. Einiges wünsche ich mir zurück. Aber spätestens, wenn ich mir die Scheinmoral ansehe, die Christen dem kompletten Thema Sex entgegenbringen. Also den Themen Sex vor der Ehe, Selbstbefriedigung, Homosexualität, Scheidung und Wiederheirat. Spätestens dann bin ich sehr froh, diese Zeit hinter mir gelassen zu haben.

Wenn dein Selbstbewusstsein wegen Selbstbefriedigung schwindet, empfehle ich dir dringend, über dein Leben nachzudenken. Lieber ein Leben ohne fromme Liedchen, als ein Leben ohne Selbstbewusstsein.

Und wenn deine ehemaligen Mitchristen über dich abzulästern beginnen, dann mache dir bewusst: Niemand von diesen bösen »normalen« Leuten aus der Welt wird auch nur das geringste Verständnis für diese altertümlichen und scheinheiligen Moralvorstellungen von Christen haben. Wenn du ihnen davon erzählst, werden sie nicht etwa sauer. Nein, sie sind schockiert und bedauern dich. Du wirkst auf sie, wie ein krankes Kaninchen.


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